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DAYS OF GLORY
Gregory Peck
5. April 1916 - 12. Juni 2003
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Ohne Zweifel bedeutet es einen besonders gravierenden kulturellen Bruch, versucht man sich unmittelbar nach der Niederschrift des jüngsten „Stiefkindes“ einer Persönlichkeit anzunähern, die all jene den an Werken der ebengenannten Güteklasse Beteiligten so gänzlich fehlenden Eigenschaften aufzuweisen schien und ohne irgendeine diesbezügliche Übertreibung schlichtweg „Legende“ bezeichnet werden darf, was sicherlich niemand ernsthaft in Abrede stellen würde.
Als der am 5. April 1916 im südkalifornischen La Jolla als Sohn einer Apothekerfamilie geborene Eldred Gregory Peck, ein studierter Theater- und Literaturwissenschaftler mit entsprechender Schauspielausbildung, im Jahre 1943 nach adäquater Beschäftigung suchend auf den sonnendurchfluteten Boulevards der amerikanischen Traumfabrik lustwandelte, da müssen sämtliche dort ansässigen Produzenten wie elektrisiert gewesen sein, hatten sie doch einmal mehr entdeckt, wonach seit geraumer Zeit unablässig gesucht und auf gewisse Weise bereits in Errol Flynn oder Cary Grant gefunden worden war: Einen weiteren lupenrein funkelnden, im wesentlichen ungeschliffenen Diamanten im Dienste der stetig expandierenden Unterhaltungsindustrie, welcher ohne jegliche Anstrengung und alleine aufgrund seines Äußeren zu einem der größten Stars aufgebaut werden konnte, obgleich man ihm in diesem Zusammenhang wegen der Zurücksetzung seiner reichlich vorhandenen inneren Werte anfangs mit Sicherheit gehörig Unrecht tat.
Und tatsächlich, binnen kürzester Zeit sollte dieser meist leicht entrückt und in seiner steifen Zurückhaltung gar aristokratisch wirkende junge Mann eine beinahe beispiellose Karriere erfahren, die scheinbar lediglich mit der Erklärung jenes entwaffnenden Charismas fünf Jahrzehnte andauerte und ihren vorläufigen Höhepunkt 1962 in der Verleihung des „Academy Award“ fand, für die Rolle des Atticus Finch in Robert Mulligans „Wer die Nachtigall stört“, einem der schönsten Filme, die jemals gedreht wurden. Überhaupt war dieser Künstler aufgrund seiner liberalen Prägung und des unermüdlichen politischen Interesses für die Rolle eines Rechtsanwaltes wie geschaffen, wobei immer auch überlebensgroße Charaktere wie der alttestamentarische König David, F. Scott Fitzgerald und Ambrose Bierce zu seinem Repertoire zählten.
Mit beinahe allen bedeutenden Regisseuren gab es fruchtbare Kollaborationen, von Henry King, Raoul Walsh und Henry Hathaway über John Huston bis Edward Dmytryk. Er war eine Maske der Verformung in den Händen jener Filmemacher, für die es ein zwischenzeitlich wohl kaum mehr nachvollziehbarer Spaß von ungeheurer Subversion gewesen sein mag, ausgerechnet die ästhetischste Erscheinung des Kinos mittels Brillen, Narben und Schnauzbärten zu entstellen oder - wie in Alfred Hitchcocks „Ich kämpfe um Dich“ - durch den Wahnsinn der surrealen Alptraumbauten Salvador Dalis zu dirigieren. Was seine jeweiligen Partner auf der Leinwand anbelangte, so war die „Quintessenz des Guten“ und deren reiner Geist beinahe beliebig konträr einsetzbar, nämlich beispielsweise gegen den ungezimmerten Atavismus eines Anthony Quinn oder als Köder für die in ihrer schläfrigen Bedrohung lähmende Bestie Robert Mitchum.
Ob Gregory Peck, der sich wegen seiner darstellerischen Fertigkeiten oftmals gehörigen Spottes diverser Kritiker ausgesetzt sah, die der Auffassung waren, er würde sämtliche Gefühlsregungen lediglich mittels seiner Augenbrauen zu meistern versuchen, nun tatsächlich ein Titan an Wandlungsfähigkeit gewesen ist, soll an dieser Stelle nicht weiter vertieft werden. Es ist auch müßig zu eruieren, weshalb er für einen derart langen Zeitraum als Verkörperung des klassischen Hollywood galt. Möglicherweise aber sollte sein Werdegang ganz einfach mit den Augen der Frau betrachtet werden, für die er - gleich welchen Alters und bar der kulturellen Prägung - als Inbegriff der belesenen Männlichkeit galt.
Am vergangenen Donnerstag ist Gregory Peck im Alter von 87 Jahren zuhause in Los Angeles friedlich entschlafen. Nach Bekanntwerden dieser Nachricht sollen hunderte Menschen spontan zu seinem Anwesen gepilgert sein, fassungslos realisierend, dass nunmehr definitiv eine Ära endete, die strahlend und golden war.
dd - red / 21. Juni 2003
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Kinematographische Kuriositäten
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