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Rezension


Filmstart: 19. April 2012

„My Week With Marilyn” (Großbritannien/USA 2011)

Regie: Simon Curtis


Beide versuchten, sich und der Welt etwas zu beweisen, als sie 1956 aufeinander trafen, um Der Prinz und das Showgirl zu drehen. Laurence Olivier, der im Ruf stand, der beste Schauspieler aller Zeiten zu sein, wollte seiner stagnierenden Karriere neue Impulse verleihen. Marilyn Monroe wollte ihrem Sexbomben-Image entfliehen und als Produzentin und Hauptdarstellerin beweisen, dass sie eine richtige Schauspielerin ist. Beides ging gründlich schief. Obwohl die Geschichten der beiden eher tragisch sind, gibt es viele Momente der Komik, weil da zwei Zentralsonnen mit ihren ganz eigenen Universen aufeinanderstoßen. Gesehen werden sie durch die Augen von Colin Clark (im Film von Eddie Redmayne gespielt), dem realen dritten Regieassistenten bei den damaligen Dreharbeiten. Auf dessen Tagebüchern basiert das feinfühlige Drehbuch von Adrian Hodges.


Colin Clark (Eddie Redmayne) kümmert sich intensiv um Marilyn Monroe (Michelle Williams) - Foto © Ascot Elite Film Verleih GmbH



Der Film beleuchtet ungefähr einen Monat im Leben der Hollywood-Ikone Marilyn Monroe, für deren Darstellung Michelle Williams den Golden Globe bekam. Neben weiteren Preisen erlangte die Verfilmung auch verdiente Oscar-Nominierungen für Williams und Kenneth Branagh.

Kenneth Branagh hat sich gründlich überlegt, ob er die Rolle des Laurence Olivier annehmen soll. In jungen Jahren ist er oft mit der Schauspiellegende verglichen worden. Das ist zum einen begründet, weil beide in hochrangigen Shakespeareverfilmungen von Heinrich V und Hamlet als Regisseure und Hauptdarsteller brilliert haben. Andererseits unterscheiden sie sich in Statur und Aussehen doch sehr und Oliviers Ansehen ist den Briten heute noch heilig. „Ich war angenehm überrascht, dass die Adaption keine klatschhaften Elemente besaß“, erinnert sich Kenneth Branagh. „Sie war nicht einfach ein Blick hinter die Kulissen des Filmemachers, sondern war sehr berührend, zärtlich und auch sehr lustig. Das Drehbuch zeigt ein enorm feinsinniges Gespür für Olivier und Marilyn Monroe und die gesamte Zeitepoche.“


Da tun sich Gräben auf: Marilyn Monroe (Michelle Williams) und Laurence Olivier (Kenneth Branagh) - Foto © Ascot Elite Film Verleih GmbH



Michelle Williams hatte in My Week With Marilyn gleich drei Rollen zu spielen. So wurden Monroes öffentliche Auftritte neu verfilmt, wie sie aus dem einschlägigen Wochenschaumaterial bekannt sind: Da ist sie der glamouröse Hollywoodstar. Während der Dreharbeiten zum Film im Film spielt sie die psychisch labile Frau, die ihre tragische Kindheit nicht überwunden hat. Dann stellt Williams noch das amerikanische Showgirl Elsie dar, das im Film den verstaubten europäischen Adel aufmischt. Michelle Williams ließ sich nicht doubeln und sang auch selber. Williams hat dem Unglück der Monroe intensiv nachgespürt: „Marilyn Monroe war nach London gekommen, um mit dem renommiertesten Schauspieler ihrer Zeit einen Film zu drehen, in der Hoffnung, dass sie dadurch den verdienten und heiß ersehnten Respekt bekommen würde, Als sie ankam, fühlte sie sich jedoch falsch behandelt und nicht ernst genommen. Olivier verspottete sie und behandelte sie nicht mit der Aufmerksamkeit, auf die sie gehofft hatte. Sie hatte das Gefühl, Verbündete zu brauchen, und einen davon fand sie in Colin“.

Colin Clark war ein Spross aus der englischen Oberschicht, in dessen Familie Künstler aus- und eingingen, darunter auch Laurence Olivier und seine damalige Frau Vivien Leigh. Er hatte vor Berühmtheiten keine Scheu, war in erster Linie von Marilyns verletzlicher Persönlichkeit fasziniert. So fasst Marilyn ausgerechnet zu dem dritten Regieassistenten, traditionell ein Nobody, Vertrauen. Als sie nicht mehr weiterdrehen kann, flüchten die beiden für eine Woche und reisen durch England, bis Marilyn sich wieder fängt und die Dreharbeiten beenden kann.

In My Week With Marilyn spielen viele bekannte Größen des englischen Theaters mit, darunter Judi Dench als Sibyl Thorndike, Derek Jacobi als Colins Onkel Sir Owen Morshead, dem königlichen Bibliothekar auf Schloss Windsor. Wundervolle Momente gibt es mit Zoe Wanamaker als Paula Strasberg, die als Marilyns Schauspiel-Coach mitgereist ist. Paula ist die Frau von Lee Strasberg, dem Lehrer des Method Acting. Olivier verpönte die damals neue Art des Schauspielerns, und für eine Rolle wie die der Elsie war sie sicher auch fehl am Platze. – Fans von Vivien Leigh dürften enttäuscht sein. Leigh wird von Julia Ormond gespielt, die aber nicht zum Zuge kommen kann, weil Leigh im Drehbuch nicht der nötige Platz dafür eingeräumt wird.

Die stimmigen Filmmusiken stammen von Conrad Pope und Alexandre Desplat und werden am Piano von Lang Lang interpretiert.

Eigentlich ist über Marilyn Monroe schon genug gesagt worden, vielleicht sogar zu viel. Doch in My Week With Marilyn zählt, wie es gesagt und erzählt wird. Der Film zeigt nur eine Momentaufnahme. Am Schluss wird Marilyn als die Frau gezeigt, die schlussendlich genau das Leben führt, das sie führen will. Am 5. August 2012 wird sich ihr Todestag zum 50-ten Mal jähren.


Unvergessen und sexy: Marilyn Monroe (Michelle Williams) - Foto © Ascot Elite Film Verleih GmbH


Helga Fitzner - 19. April 2012
ID 5857

Weitere Infos siehe auch: http://www.myweekwithmarilyn.de/


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