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Rezension


Filmstart: 11. Mai 2012

"Die Vermissten" (D 2012)

Regie: Jan Speckenbach



Was treiben eigentlich unsere Kinder?


Der deutsche Debütfilm Die Vermissten bietet spannendes Erzählkino und scheut dabei nicht die Reibung mit dem Surrealismus


Zu den sehenswertesten Filmen mit kleinen oder mittleren Budgets, die in diesen Wochen in großer Zahl in den Kinos anlaufen, gehört das Debüt des bisherigen Videokünstlers Jan Speckenbach, Die Vermissten – auch wenn das Drama dramaturgisch und formal nicht vollständig zu überzeugen vermag. Aber Speckenbach hat einen sehr originellen Ansatz bei seiner Erzählung gewählt und einen interessanten Beitrag zu einem wichtigen Thema inszeniert, nämlich den sich vergrößernden kulturellen Graben zwischen den Generationen.

„Angelegt ist die Geschichte wie ein klassisches Roadmovie, eine Odyssee“, sagt Speckenbach, „bei der ein zweiter, doppelter Boden mitschwingen soll“: Ein Atomkraft-Ingenieur – mit passender Nüchternheit gespielt vom André M. Hennicke – wird von der seit langem getrennt von ihm lebenden Ex-Frau davon informiert, dass die gemeinsame, 14-jährige Tochter spurlos verschwunden ist. Zögerlich nimmt der Mann die Rolle des Schutzbefohlenen wieder an und wird aufgrund seiner Recherchen sogar zu einer Art Detektiv, der über den Einzelfall hinaus in eine gesellschaftliche wie geografisch ominöse Konfliktzone zwischen Jung und Alt gerät. Wen hat seine Tochter außerhalb der Schule getroffen? Besteht zwischen ihrem Verschwinden eine Verbindung zu einem ominösen Kreis eingeschworener Jugendlicher, die sich via Internet an geheimen Orten verabreden? Was geschieht bei diesen Geheimtreffen?





André M. Hennicke in DIE VERMISSTEN - Foto: Tom Akinlemin © Junifilm

DIE VERMISSTEN - Foto: Tom Akinlemin © Junifilm

DIE VERMISSTEN - Standfoto © Junifilm


Über fast zwei Drittel ist dies eine spannende und authentisch wirkende Geschichte über die Ahnungslosigkeit, die auch durch ein anderes Freizeit- und Medienverhalten zwischen den Generationen entstanden ist. Dazu sagt Jan Speckenbach: „Der Vater der Vermissten ist ein typischer Vertreter einer durchtechnisierten Welt. Er, der es gewohnt ist, Fehler zu analysieren und zu beheben, in Problemlösungskategorien zu handeln, wird durch das Verschwinden seiner Tochter mit einer Realität konfrontiert, die sich dem analytischen Zugriff entzieht. Über ihn als Suchenden – auch nach Antworten über das unverständliche Verhalten der Kinder – will ich die Ambivalenz des Verhältnisses zwischen Erwachsenen und Kindern, aber auch des kindlichen Verhaltens insgesamt sichtbar machen. Indem der Vater schließlich denselben gleichen Weg nimmt wir wie die Kinder, gleitet er selbst in deren Position. Ohne es zu wollen wird er zu einem kann seine zunehmende Unsicherheit vom Zuschauer geteilt werden bis er schließlich ein paradoxer Augenzeuge der Geschehnisse wird, die er aufzuklären hoffte.“

Leider überzieht der Regisseur diese Konzeption zum Ende hin ins Surreale – was zu dem vorherigen, naturalistischen Stil des Films nicht so recht passen will: Speckenbach zeigt eine Vorort-Geisterstadt, die nur noch von Kindern und Jugendlichen bewohnt wird – gegen den Willen brutaler (männlicher) Erwachsener. Das anarchische Anti-Utopia ist eine interessante, originelle, aber indes etwas aufdringlich präsentierte Metapher. „Mit Kindern lernt man wieder das Staunen über die Welt, z. B. über einfache Dinge wie einen Bagger oder den Mond“, weiß Speckenbach aus eigener Erfahrung als Vater. „In dieser Hinsicht geben einem Kinder viel zurück, was man im Laufe des Erwachsenenwerdens vergessen hat. Dennoch ist dieses Verhältnis auch sehr ambivalent, Kinder können auch grausam und etwas Fremdes sein. Von zu Hause Ausreißen hat auch egoistische Züge. Ich wollte also Sentimentalität im Blick auf die Kinder vermeiden“, verteidigt Jan Speckanbach seine Dramaturgie. Sein Mut, aktuellen, realistischen Generationsproblemen auch mit unkonventionellen, surrealen Ideen beizukommen, ist auf jeden Fall anerkennenswert, voller innerer Spannung und durchaus reizvoll anzusehen.


Max-Peter Heyne - 10. Mai 2012
ID 5931
DIE VERMISSTEN (Deutschland 2012)
Regie: Jan Speckenbach
Mit André M. Hennicke, Luzie Ahrens, Jenny Schily u. a.
86 min, Farbe

Der Regisseur wird in folgenden Städten bei der Vorführung anwesend sein:
11.05. | Hackesche Höfe (Berlin) - Kinostartpremiere & Publikumsgespräch
12.05. | Schaubühne Lindenfels (Leipzig)
13.05. | Kino Casablanca (Dresden)
14.05. | Casablanca (Nürnberg)
15.05. | Schauburg (Karlsruhe)
16.05. | Monopol (München)
Weitere Städte, in denen der Film zu sehen ist, sind aufgelistet unter nachstehender HP


Weitere Infos siehe auch: http://www.dievermissten.de


Post an Max-Peter Heyne



 

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