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Rezension


Filmstart: 26. Januar 2012

„The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten“ (USA 2011)

Regie: Alexander Payne



Vom Erben und Sterben

Eigentlich hat Matt King (George Clooney) das Paradies auf Erden: Er ist ein wohlhabender Anwalt, lebt auf Hawaii, hat eine tolle Frau, zwei gesunde Töchter, und als Nachfahre (engl.: „descendant) polynesischer Ureinwohner ist er der alleinige Verwalter unberührter Ländereien auf der Insel. Aber das ist nur der äußere Schein. Die Inselidylle bewahrt die Menschen nicht vor persönlichen Problemen. Schaut man genau hin, hat er sich um seine Töchter nie wirklich gekümmert. Die ganze Familie hat nebeneinander her gelebt. Als seine Frau eines Tages bei einem Speed-Boat-Unfall schwer verletzt wird und ins Koma fällt, wird Matt King völlig aus seiner Mitte gerissen. Als Familie will er versuchen, den Schicksalsschlag zu meistern, stellt aber fest, dass er und seine Töchter sich fremd geworden sind. Dann erfährt er noch zwei furchtbare Dinge: Seine Frau hat eine Patientenverfügung hinterlassen und wird bald von den lebenserhaltenen Geräten abgeschaltet werden müssen, und – sie hatte einen Liebhaber. Matt ist in seinen Grundfesten erschüttert. Zusammen mit seinen Töchtern Scottie (Amara Miller) und Alexandra (Shailene Woodley) macht er sich auf den Weg, mehr über die Liebschaft seiner Frau herauszufinden. Mit im Schlepptau ist Alexandras Freund Sid (Nick Krause), der zunächst völlig verpeilt erscheint, sich später aber als durchaus stabilisierend erweist. Der Rest der Familie, Dutzende von Cousins und Cousinen, ist nicht sehr hilfreich. Sie sind pleite und an dem Verkauf der Ländereien interessiert, wo eine Infrastruktur geschaffen und eine Anlage mit Luxushotel gebaut werden soll.


Vier Menschen auf der Suche nach Antworten: (George Clooney, Amara Miller, Nick Krause, Shailene Woodley) - Foto © 20th Century Fox


Alexander Payne (About Schmidt, 2002, Sideways, 2004) führt Regie, ist Co-Produzent und mit Nat Faxon und Jim Rast Co-Autor des Drehbuchs. Die Geschichte basiert auf dem erfolgreichen Debütroman der Hawaiianerin Kaui Hart Hemmings. Wie schon in Paynes bisherigen tragikomischen Filmen geht es um gewöhnliche Menschen und Geschichten aus dem Leben. George Clooney ist hier in einer für ihn etwas ungewöhnlichen Rolle zu sehen und mimt den nach Orientierung und Halt suchenden Familienvater mit Bravour. Der Film ist bis in die kleinsten Nebenrollen hervorragend besetzt, allen voran Shailene Woodley als pubertierende Tochter, die ihrem Filmvater Paroli bieten muss und viele intensive Szenen mit dem erfahrenen Schauspieler Clooney meistert. Amara Miller als 10-jährige Tochter Scottie erweist sich als Naturtalent. Es ist ihre erste Rolle und sie spielt mit einer Selbstverständlichkeit und Kraft, die für einen so jungen Menschen erstaunlich ist.

Payne arbeitet ohne dramatische Überhöhung, die Ereignisse und ihre tragischen, wie auch komischen Zuspitzungen könnten auch im Leben so geschehen sein. Matt King ist logischerweise mit der Situation überfordert. Er schwankt zwischen rasender Eifersucht wegen des Ehebruchs seiner Frau und tiefer Trauer über ihren nahenden Tod. Hat er doch seine Familie immer als selbstverständlich hingenommen. Nun muss er seine Frau loslassen und die Töchter zurückerobern. Auf einmal ist auch das Erbe seiner polynesischen Vorfahren wichtig für ihn. Es ist einer der wenigen noch unberührten Landschaften auf der Insel. Soll er dem Druck der Verwandtschaft nachgeben und es verkaufen, damit es bebaut werden kann oder das Land für die nachfolgenden Generationen behüten? Matt King lernt, dass er nicht nur die Verantwortung für sich und seine Arbeit hat. Ein fremder Immobilienmakler vermochte seiner Frau das zu geben, was sie an ihrem Mann vermisst hatte. Er versteht auch, dass seine Rolle als „Reserve-Vater“ nicht genügt hat. Nun naht der Tag, an dem nach dem Willen seiner Frau, die lebenserhaltenden Geräte abgeschaltet werden müssen.



Wertvolle Ländereien: Max King (George Clooney) und seine Töchter (Amara Miller, Shailene Woodley) tragen als Erben Verantwortung - Foto © 20th Century Fox


Das American Film Institute hat The Descendants zum Film des Jahres gekürt. Bei der Golden Globe Verleihung erhielt der Film den Preis als bester Film und George Clooney wurde als bester Schauspieler ausgezeichnet. Für die Oscar-Verleihung gab es fünf Nominierungen.


Helga Fitzner - 26. Januar 2012
ID 5711

Weitere Infos siehe auch: http://www.the-descendants.de


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