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Filmbesprechung


Starttermin: 12. Oktober 2006

„Eine unbequeme Wahrheit“ (USA 2006)

Regie: Davis Guggenheim

US-Dokumentation über die globale Erwärmung

Kann Kino einen Quantensprung im Bewusstsein der Bevölkerung auslösen? Al Gore, dem amerikanischen Vize-Präsidenten unter Bill Clinton, wäre das zu wünschen und dem Rest der Menschheit auch. Nachdem er im Jahr 2000 die Präsidentschaftswahl gegen George W. Bush unter heftig umstrittenen Umständen verloren hat, widmet Gore sich noch intensiver als zuvor klimabedingten Fragen. Er tourt durch die USA, aber auch in der ganzen Welt, um einen Vortrag über die Gefahren der globalen Erwärmung zu halten, mit der Botschaft, dass akuter Handlungsbedarf besteht. In einer komprimierten und sehr verständlichen Form trägt er seine Multimediapräsentation vor. Irgendwann kam die Idee, dass das Thema von derart großer Bedeutung ist, dass man daraus eine filmische Dokumentation machen müsse. Diesem Film wurde beim Sundance Filmfestival große Aufmerksamkeit zuteil, und im Mai dieses Jahres auch beim Filmfestival in Cannes, wo er große Anerkennung erntete. Es gibt auch eine üppig ausgestattete Website www.climatecrisis.net, die englischsprachig ist und sehr informativ.
Im Pressematerial des Filmproduzenten United International Pictures UIP, werden die wichtigsten Erklärungen aus der Dokumentation zusammengefasst:
WAS VERSTEHT MAN UNTER GLOBALER ERWÄRMUNG?
Kohlendioxid und andere Gase erwärmen die Erdoberfläche auf natürliche Weise, indem sie die Sonnenwärme in der Atmosphäre festhalten. Das ist im Grunde gut, weil dadurch unser Planet bewohnbar bleibt. Durch das Verbrennen von fossilen Brennstoffen wie Kohle, Gas und Öl sowie durch das Abholzen von Wäldern haben wir jedoch die Menge des Kohlendioxids in der Erdatmosphäre drastisch erhöht, und die Temperaturen steigen an.
Die Wissenschaftler sind sich weitestgehend einig, dass die globale Erwärmung eine Tatsache ist. Sie findet bereits statt, und sie ist kein Naturereignis, sondern das Ergebnis unseres Handelns. Die Anzeichen sind überwältigend und lassen sich nicht leugnen.
Wir erleben bereits Veränderungen. Gletscher schmelzen, Pflanzen und Tiere werden aus ihren Territorien vertrieben, und die Anzahl schwerer Stürme und Dürreperioden nimmt zu.
  • Die Anzahl der Hurrikane der Kategorie 4 und 5 hat sich in den letzten 30 Jahren fast verdoppelt

  • Malaria tritt nun auch in höher gelegenen Regionen auf, z. B. in den kolumbianischen Anden, 2.000 m über dem Meeresspiegel.

  • Das Schmelzwasser von den Gletschern Grönlands hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt.

  • Mindestens 279 Pflanzen- und Tierarten reagieren bereits auf die globale Erwärmung, indem sie sich in Richtung auf die Pole zurückziehen.

  • Wenn sich die Erwärmung fortsetzt, müssen wir mit katastrophalen Konsequenzen rechnen

  • Die Todesfälle infolge globaler Erwärmung werden sich in nur 25 Jahren verdoppeln - auf 300.000 Menschen pro Jahr.

  • Die Meeresspiegel könnten weltweit um mehr als 7 m ansteigen, verbunden mit dem Schwinden des Schelfeises in Grönland und in der Antarktis. Küstenregionen auf der ganzen Welt würden dadurch vernichtet.

  • Hitzewellen werden häufiger und intensiver auftreten.

  • Dürren und verheerende Großflächenbrände werden häufiger.

  • Der arktische Ozean könnte bis zum Sommer 2050 eisfrei sein.

  • Mehr als eine Million Arten könnten bis 2050 ausgestorben sein.




Szenenbild: Al Gore


Der deutschen Öffentlichkeit mag es nicht so aufgefallen sein, dass Gore sich schon sehr lange in Sachen Umwelt engagiert. Als er 1976 begann, dieses Thema im amerikanischen Kongress anzubringen, galt er als Außenseiter und wurde nicht ernst genommen. Präsident George Bush senior nannte ihn den Ozone Man. Gore gehörte auch zu den Mitverfassern des Kyoto-Protokolls, in dem Maßnahmen zur Reduzierung des Treibhauseffektes festgesetzt werden: Ein Protokoll, das die USA, obwohl und weil größter Verursacher, nicht unterzeichnet.
Der Film zeichnet auch wesentliche Stationen von Al Gores Lebensweg auf. Ein dramatischer Wendepunkt geschah, als sein 1989 sein kleiner Sohn von einem Auto überfahren wurde und lange mit dem Tode rang. Während der vielen Stunden am Krankenbett empfand Gore, was es heißt, jemanden unwiederbringlich verlieren zu können. In wie viel größerem Ausmaß das geschehen kann, wenn wir den Planeten Erde zerstören und ihn unbewohnbar machen, davon erzählt er in seinem Vortrag. Gore räumt darin zweifelsfrei mit dem Mythos auf, dass die fortschreitende Erderwärmung umstritten sei, wie es viele Politiker und Industrielle gerade in den USA der Bevölkerung weis machen wollen. Zweitausend Wissenschaftler in hundert Ländern haben 20 Jahre lang Daten gesammelt, und sind zu einem so klaren Konsens gekommen, wie er in der Wissenschaftsgeschichte extrem selten ist. Es gibt keinen Zweifel daran, dass wir in zehn Jahren einen Zustand erreicht haben, von dem der planetare Notfall nicht mehr aufzuhalten ist. Das zu verhindern, bedeute, dass wir etwas an der akuten Situation ändern müssen und zwar JETZT. Gore fordert nicht nur die Politik und die Industrie heraus, sondern jeden einzelnen von uns. Zwei Spiegel-Reporter waren so genial, Gore zu fragen, was für ein Auto er fahre (Der Spiegel Nr. 29, 17.07.06). Seit rund einem Jahr fährt Gore ein Hybrid-Fahrzeug.


Helga Fitzner - red / 27. September 2006
ID 00000002688
Hier noch die Verlagsinfo des Buchverlages:
Seit seiner Jugend engagiert sich Gore für eine ökologische Politik, deren international prominentester Vertreter er heute ist. Bereits 1992 landete Gore mit „Wege zum Gleichgewicht“ einen internationalen Bestseller zum Thema Ökologie.
Sein neues Buch EINE UNBEQUEME WAHRHEIT basiert auf einer Vortragsreihe. Anhand von zahlreichem Fakten- und Bildmaterial führt er uns das Ausmaß der ökologischen Verwüstung der Erde drastisch vor Augen. EINE UNBEQUEME WAHRHEIT ist ein dringender Appell, nicht nur
an die Verantwortlichen seines eigenen Landes, neue Maßstäbe in der Umweltpolitik zu setzen und sich ihrer Ernsthaftigkeit bewusst zu werden.
Es ist ein dringender Appell auch an die Verantwortlichen seines eigenen Landes (mit 30,3% Anteil der weltweit größte Treibhausgas-Produzent), das Kyoto-Protokoll zu ratifizieren.

„Mein Ziel mit den Diavorträgen, diesem Film und demnächst einem neuen Buch ist es zunächst einmal, die Menschen davon zu überzeugen, dass wir uns ganz dringend mit der Klimakrise auseinandersetzen müssen. Es liegt ein planetarer Notfall vor, den wir nur noch gemeinsam lösen können. Die Mittel dazu sind vorhanden – außer vielleicht der politische Wille.“
(Al Gore am 11.6.06 in einem Interview mit der Welt am Sonntag.)
Al Gore
EINE UNBEQUEME WAHRHEIT
Die drohende Klimakatastrophe und was wir dagegen tun können
Original: An Inconvenient Truth
Deutsch von VerlagsService Mihr
Sachbuch, 328 Seiten
ISBN: 3-570-50078-0




siehe auch: www.climatecrisis.net

Weitere Infos siehe auch: http://movies.uip.de/eineunbequemewahrheit/ait_live/






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