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Film-Feuilleton

HELL IS FOR HEROES

James Coburn

31. August 1928 - 18. November 2002

Einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht hat sie mir zugegebenermaßen schon, die Mitteilung vom Tode des Schauspielers James Coburn, hatte ich doch eigentlich ursprünglich geplant, ohne besonderen Anlass zwei relativ rüde, weitgehend wohl wenig bekannte Werke Lee Marvins zu präsentieren. Da ich aber durchaus Parallelen in der Vita dieser beiden sah, fühlte ich mich in die Pflicht genommen, vorrangig einen Nachruf auf den Mann zu verfassen, dessen Schaffen mich seit früher Kindheit im wesentlichen wohlbehütet durch die Wirren des an filmischer Ödnis nicht gerade armen Daseins geleitete.

Ebenso wie auch sein angesprochener Kollege sammelte der am 31.08.1928 in Laurel, Nebraska geborene James Coburn nach der Entlassung aus der Armee die ersten Erfahrungen zunächst auf den Brettern des Theaters, wo er dank seiner Leistungen in der Melville-Dramatisierung "Billy Budd" Aufmerksamkeit erregte. Er hat dann Arbeit beim Fernsehen gefunden, zunächst in Werbespots, später auch vermehrt in TV-Serien. Nach einiger Zeit folgten kleinere Rollen in diversen Western, bis aufgrund eines drohenden Schauspielerstreiks die Besetzung für "Die glorreichen Sieben" unverzüglich zusammengetrommelt werden musste - James Coburn hatte das Glück, hierfür ausgewählt zu werden, als gelegentlich messerwerfender Meisterschütze und schon sehr selbstbewusst neben dem damals bereits äußerst populären Yul Brynner agierend, der angesichts einer solchen Präsenz vielleicht bereits ahnte, in absehbarer Zeit einer anderen, im Heranwachsen begriffenen Generation von Stars weichen zu müssen. Dank seiner markanten Erscheinung ist er dann zunächst für längere Dauer ein ziemlich einprägsamer "supporting actor" geblieben, dessen stets solides Wirken in zweiter Reihe den jeweiligen Hauptdarsteller umso besser ins rechte Licht rückte.

Ein weitsichtiger Produzent muss irgendwann mal weit mehr Potential in ihm erkannt haben, wohl realisierend, dass nunmehr, in der Mitte der sechziger Jahre, auf der Leinwand ein eher kantiges Kaliber gefragt war - es roch nach Morgenluft für Charakterköpfe und Weggefährten wie Steve McQueen, Charles Bronson oder Robert Ryan. Zu dieser Zeit bekam er die ersten wesentlichen Rollen und konnte sowohl als Geheimagent Derek Flint in zwei der gelungensten Parodien auf die James Bond-Filme als auch in Werken von Blake Edwards, Arthur Hiller und Robert Parrish bevorzugt sein reichlich vorhandenes, immer irgendwie gehörig schräges komödiantisches Talent einsetzen. Darüber hinaus war er für weitergehende, ungleich gewagtere Experimente stets offen - unter seiner Mitwirkung entstanden einige der denkwürdigsten kinematographischen Kuriositäten überhaupt, etwa Sidney Lumets auf einem Bühnenstück Tennessee Williams' basierendes Kammerspiel "Blutsverwandte", die im Bestattungsmilieu angesiedelte Groteske "Tod in Hollywood" oder auch die von ihm aus eigener Tasche finanzierte Paranoia-Farce "...jagt Dr. Sheefer".

Später, etwa ab Anfang der siebziger Jahre, als nicht nur das amerikanische Kino verstärkt thematisch Unbehagliches aufgriff und er selbst schon lange ein Star gewesen ist, welcher in Bezug auf die Rollenauswahl eigentlich keinerlei Risiken mehr hätte eingehen müssen, da war er ganz vorne mit dabei, wenn es darum ging, das früher gerade auch durch ihn erheblich mitgeprägte Genre des in seinen naiven Erzählmustern überwiegend unerträglichen Western- oder Abenteuerfilmes gründlich zu demontieren, insbesondere nachdem er mit Geistesverwandten wie Sergio Leone und Sam Peckinpah im Regiestuhl zusammentraf; vermutlich sind auch genau das seine besten Auftritte gewesen, in "Todesmelodie", "Pat Garrett jagt Billy The Kid" und "Steiner - Das eiserne Kreuz". Ein neuer Realismus des Sterbens hatte sich etabliert, und James Coburns Blick auf die Geschehnisse war erkennbar kritischer geworden, müde ob der in Zeitlupe dargebotenen Blutfontänen, immer gepaart mit einem Anflug von Resignation. Insbesondere mit Sam Peckinpah muss eine enge Verbundenheit bestanden haben seit der ersten gemeinsamen Arbeit im Jahre 1965, gab der ihm doch unter anderem die Möglichkeit, für "Convoy" die "second unit" zu realisieren, ohne darin selbst mitzuspielen.

Was folgte, war wenig aufregend - nämlich in ihrer Gesamtheit durchaus fähig inszenierte, aber leider nur einen sehr flüchtigen Eindruck hinterlassende Actionstücke beispielsweise von Michael Winner oder Stewart Raffill, bis arthritisbedingt ein vorübergehender Rückzug aus dem Kamerabereich erforderlich schien. In den neunziger Jahren teilte er das desolate Schicksal all jener anderen noch lebenden Leinwandveteranen, die dazu verdammt sind, mangels adäquater Angebote neben unterirdischen Knallchargen wie Arnold Schwarzenegger, Whoopi Goldberg oder Eddie Murphy aufzutreten, weil ihm das immerhin sinnvoller erschienen sein muss als vollständig in den Ruhestand zu treten.

Dann aber hat er doch noch den "Academy Award" erhalten, und zwar bezeichnenderweise in einer entgegen dem einstigen Image besetzten Rolle als brutalisierter, sein familiäres Umfeld zugrunde richtender alter Säufer in Paul Schraders bitterer Tragödie "Der Gejagte", eine zweifellos angemessene Auszeichnung in Anbetracht der vielschichtigen und beklemmenden Darbietung trostlosen menschlichen Scheiterns.

Am vergangenen Montag ist James Coburn zuhause in Beverly Hills während des Musikhörens einem Herzinfarkt erlegen. Wie es hieß, sei er glücklich gestorben. Nach all dem Erreichten hätte er das mit Sicherheit verdient.


dd - red / 24. November 2002



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