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Rezension


Starttermin: 8. März 2007

„Bobby – Sie alle hatten einen Traum“

(USA 2006)
Regie, Drehbuch, Darsteller: Emilio Estevez

Film über den Tag des Attentats auf Robert Kennedy

“Aus Gewalt entsteht Gewalt; Unterdrückung zieht Vergeltung nach sich; nur die Säuberung einer ganzen Gesellschaft kann diese Krankheit aus unserer Seele entfernen”. Robert Kennedy, April 1968


Wenn der Film beginnt, weiß man schon, wie er ausgeht. Da ist es schon unheimlich, die Dokumentaraufnahmen von Robert Kennedy zu sehen und zu wissen, dass er am 4. Juni 1968 sein Leben im Alter von 42 Jahren verlieren und eine Frau mit 11 Kindern zurücklassen wird. Diejenigen, die alt genug sind, sich selber an den Tag zu erinnern, werden den Regisseur Emilio Estevez besonders gut verstehen können, wenn er sagt, dass es ihm vorbestimmt gewesen sei, diesen Film zu machen. Estevez war 6 Jahre alt, als Robert Kennedy ermordet wurde. Sein Vater, der Schauspieler Martin Sheen, war ein großer Anhänger Kennedys. Auf einer Wahlveranstaltung hat Robert Kennedy dem kleinen Emilio, der auf den Schultern seines Vaters saß, sogar einmal die Hand gedrückt. Eine Herzschmerz-Story? Vielleicht! Aber wenn man die in dem Film verwendeten Filmausschnitte von Kennedy sieht, kann man schon den kollektiven Schock nachvollziehen, den sein Tod hinterlassen hat.

Tief gezeichnet vom Tod seines älteren Bruders John F. Kennedy, der 1961 zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde und 1963 einem Attentat zum Opfer fiel, war sich Robert Kennedy bewusst, mit welchen Widerstandskräften er es zu tun hatte. (Bis heute sind die Verschwörungstheorien über beide Attentate noch nicht verstummt). Trotzdem ging er in die Politik, hatte mehrere Ämter inne und wurde im Kabinett seines Bruders Justizminister.

Im Jahr 1968 gab es noch zwei herausragende „Lichtgestalten“ in den USA, die für Menschenrechte und Gewaltfreiheit eintraten. Die eine war Martin Luther King jr., der sich für Gewaltfreiheit und die Rechte der Schwarzen einsetzte – und zwar genau in der Reihenfolge, Gewaltfreiheit zuerst. Und dann war da noch Robert Kennedy, der am 17. März 1968 seine Kandidatur für das Amt des Präsidenten bekannt gab. In der gleichen Rede schwor er der Gewalt ab. Damit würde er als Präsident den Vietnamkrieg zügig beenden, und damit hat er mit gewisser Wahrscheinlichkeit sein Todesurteil selbst besiegelt. Als nur kurze Zeit später am 4. April 1968 der Bürgerrechtler Martin Luther King ermordet wurde, musste Robert Kennedy das auf einer Wahlveranstaltung der Menge beibringen - selbst um Fassung und um Worte ringend. Mit dem Mord an King war vor allem für die Schwarzen nichts mehr so, wie es war. Der einzige einflussreiche Visionär, der noch übrig war, war nun Robert Kennedy, der sich die Rechte der Schwarzen und die Bekämpfung der Armut auf die Fahnen geschrieben hatte - und dem man das auch abnahm.


Martin Sheen in \"Bobby\"
An die wunden Punkte der Person Robert Kennedys rührt Estevez allerdings nicht, wie zum Beispiel seine Frauen-Affären oder die Vetternwirtschaft unter den Kennedy-Brüdern. Vielmehr versucht der Regisseur, die politischen gesellschaftlichen und sozialen Begebenheiten Ende der 60er Jahre darzustellen und das entsprechende Zeitgefühl zu evozieren. Mit der Unterstützung einer star-besetzten Crew gelingt ihm das auch. Geschickt verwebt er Dokumentaraufnahmen und fiktive Geschichten zu einem recht authentischen Gesamtbild. „Ich wollte Figuren schaffen, die stellvertretend für die Zeit stehen“, so Estevez, „die die Geschichte wirklich öffnen würden. Bis zu einem gewissen Grad handelt es sich bei ihnen um Archetypen. Gleichzeitig kenne ich jede einzelne dieser Figuren wie meine Westentasche. Sie basieren allesamt auf Menschen, die auf die eine oder andere Weise etwas mit meinem Leben zu tun haben.“

Bobby
Eine der „Hauptfiguren“ ist das historische Ambassador-Hotel in Los Angeles, in dem das Attentat stattgefunden hat. Es stand kurz vor dem Abriss, als Estevez noch schnell seine Drehaufnahmen dort abschloss. Vor dem Mord gehörte das Ambassodor zu den ersten Adressen im Lande. Es war sogar einige Male Gastgeber der Oscar-Verleihung. Im Film ist Paul Ebbers (William H. Macy) der fiktive Manager des Hotels. In Kalifornien finden an dem Tag, dem 4. Juni 1968, Vorwahlen statt, für die Robert Kennedy kandidiert hat. Die Wahlparty wird im Ambassador stattfinden.

Sharon Stone und William H Macy in \"Bobby\"
Hotelchef Ebbers lässt das Getriebe auf Hochtouren laufen. Vor allem in der Hotelküche herrscht Hochbetrieb. In der Küche arbeiten viele Schwarze und Latinos, die keine guten Beschäftigungsbedingungen haben. Sie schuften für Mindestlohn, müssen manchmal Doppelschichten machen und werden von ihrem Boss Timmons (Christian Slater) schikaniert. Als Hotelchef Ebbers herausfindet, dass Timmons die Angestellten nicht einmal zu den Wahlen gehen lässt, feuert er ihn. Schließlich sind die Minderheiten diejenigen, die für Kennedy stimmen werden. Küchenarbeiter Jose (Freddy Rodriguez) interessiert sich allerdings mehr für Baseball. Obwohl er Karten für ein wichtiges Spiel der Dodgers hat, muss er an diesem Tag arbeiten.

So viel Stress kann sich der ehemalige Portier des Ambassador Hotels John Casey (Anthony Hopkins) nur wünschen. Heute sitzt er Tag für Tag in der Hotellobby herum und spielt Schach mit seinem langjährigen Freund Nelson (Harry Belafonte). Meistens beobachten sie das Treiben im Hotel. Da sind zwei junge Wahlkampfhelfer, die im Hotel ihre ersten Drogenerfahrungen machen. Die junge Generation ist in Aufruhr. Viele rebellieren gegen den Vietnamkrieg, der für die jungen Männer eine existenzielle Bedrohung darstellt. Die junge Diane (Lindsay Lohan) ist bereit, William (Elijah Wood) zu heiraten, obwohl die beiden sich (noch) nicht lieben. Sie wollen so verhindern, dass William nach Vietnam eingezogen wird. Dianes Vater sieht in seinem künftigen Schwiegersohn nur einen Drückeberger und Feigling und weigert sich, zur Hochzeit zu kommen. Als Diane zur Hotelfriseurin geht, um sich für die Hochzeit vorbereiten zu lassen, lernt sie Miriam (Sharon Stone) kennen.

Miriam ist die Frau des Hotelchefs und in die Jahre gekommen. Ihr Mann betrügt sie mit einem Mädchen von der Telefonzentrale. Der Film erzählt in sehr eindrücklichen Bildern vom Altern. Die 68er Jahre waren auch eine Art Jugendkultur. Das Althergebrachte hatte ausgedient. Die Älteren waren abgeschrieben, die Jugend setzte zunehmend ihre eigenen Maßstäbe. Die Sängerin Virginia Fallon (Demi Moore) gehört zu jenen Gestrigen. Sie weiß, dass sie den Zenit ihrer Karriere überschritten hat und ertränkt diese Erkenntnis in Alkohol. Ihr Mann (Emilio Estevez) steht dem Abstieg seiner Frau hilflos gegenüber. Eine der stärksten Szenen des Films ist der Dialog zwischen der Friseurin und dem Star. Die Hollywood-Diven Sharon Stone und Demi Moore thematisieren auf ehrliche und schmerzliche Weise das Altern.

Auch wenn „Bobby“ einen etwas unkritischen Umgang mit seiner Hauptperson Robert Kennedy pflegt, hält er einer relativ hohen Anspruchshaltung stand. „Alle machten bei diesem Film mit, weil uns die Dinge, über die Bobby Kennedy sprach, ein unbedingtes Anliegen sind“, sagt Estevez. „ Uns ist klar, dass die Themen, die er damals ansprach, auch heute noch die Themen sind, die uns beschäftigen. Ich hoffe, dass dieser Film die Frage aufwirft, warum wir uns seit damals nicht nach vorne entwickelt haben. Und dass er offenbart, wie relevant Bobbys Ideen auch heute noch für uns sein sollten.“


Helga Fitzner - red / 12. März 2007
ID 3060
Bobby – Sie alle hatten einen Traum

USA 2006
Originaltitel: Bobby
Regie: Emilio Estevez

Darsteller: Anthony Hopkins, Sharon Stone, Elijah Wood, Demi Moore, Helen Hunt, William H. Macy, Martin Sheen, Laurence Fishburne - Prädikat: wertvoll - FSK: ab 12 - Länge: 115 min. - Start: 8.3.2007

Weitere Infos siehe auch: http://bobby.kinowelt.de/





 

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