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TV-Tipp

TV-Premiere am 3. April 2006 um 0.05 Uhr im ZDF

Auf jüdischem Parkett

(Deutschland 2005)

Dokumentarfilm von Arielle Artsztein und Esther Slevogt
über das Gemeindehaus der jüdischen Gemeinde Berlin


Helga Simon hat seit Ende der Fünfziger Jahre fast jede Veranstaltung fotografiert, auch die, als der Berliner Bürgermeister Willi Brandt das jüdische Gemeindehaus damals eröffnete. Heute schäkert die Seniorin mit Bürgermeister Klaus Wowereit um die Wette. Der fragt sie nach der berüchtigten Aluminium-Leiter, die Helga Simon immer mitschleppt. Die kleine Frau muss sie benutzen, wenn sie einen Überblick über den Gemeindesaal fotografieren will.




Was heute ein selbstverständlicher Treffpunkt für die Berliner Juden ist, war bei seiner Gründung sehr umstritten: „So ein Riesenhaus, direkt am Kurfürstendamm für Juden. Schrecklich“, erinnert sich die Überlebende des Vernichtungslagers Inge Robert. „Kriegsende. Auschwitz. Und jeder wollte unauffällig ins Leben zurück, möglichst nicht auffallen.“ Das Gemeindezentrum war aber präsent in Berlin und damit auch im Bewusstsein der Berliner. Viele Juden waren von der Nazi-Diktatur noch so traumatisiert, dass ihnen das nicht geheuer war. „Heute gehen die Juden mit dem Käppchen auf die Straße,“ erzählt Robert weiter. „Das gab es damals nicht. Das war nicht vorstellbar.“




Selbst heute trägt der nachgeborene Ariel Schwalm die Kippa (das Käppchen) nicht draußen. Er trägt sie unter einer Baseball-Kappe. „Man fühlt sich mit Kippa so exponiert. Ohne sie ist man einer unter vielen.“ Als Maschgiach gehört er dem orthodoxen Judentum an. Seine Aufgabe ist es, in jüdischen Restaurants auf koscheres Essen zu achten. Er kennt die zahlreichen Vorschriften aus der Thora, dem alten Testament, und überwacht deren Einhaltung. Humorvoll wird es, wenn er mit Rabbi Yitshak Ehrenberg über Insekten in Salatblättern debattiert.

Eine der schillerndsten Figuren der Gründungszeit war Heinz Galinski: „Heinz Galinski war ja auch in Auschwitz“, erzählt Inge Robert. „Und die Auschwitzer, die kannten sich ja alle. Die ganzen Auschwitzer kannten sich ja überhaupt. Mein Mann und ich, wir haben mit den anderen alles aufgebaut. Und so ist die Gemeinde gewachsen. In den Fünfziger und Sechziger Jahren waren es 3000 Mitglieder nur. Und die kannten sich alle. Das war ein ganz anderes Zusammenleben“.
(Heinz Galinski war von 1949 an Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Berlin und seit 1988 Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland. Beide Ämter endeten mit seinem Tod im Jahr 1992).
Seit der Wende 1989 und dem anschließenden Zusammenbruch der Sowjetunion sind etwa 10.000 russische Juden nach Berlin gezogen. Die Hauptsprache im Gemeindezentrum ist nun oft russisch, mit deutscher Übersetzung. Während sie sich draußen oft nicht ganz heimisch fühlen, haben sie das Zentrum zu einem Hort ihrer Kultur gemacht, evozieren mit russischen Liederabenden noch ein Stück alte Heimat. Die russischen Juden genießen die Freiheit, sich ihren Glauben zurückerobern zu können, was unter dem kommunistischen Regime nicht möglich war.

Da kommt es mitunter zu Debatten zwischen der russischen Mehrheit und den deutschstämmigen Juden, insbesondere den „Auschwitzern“. Die kommen sich da schon ein bisschen benachteiligt vor. Doch auch für die Russen ist es nicht leicht. Nachdem sie lange Zeit von ihrer Kultur weitgehend abgeschnitten waren, müssen sie erst lernen, sich auf „jüdischem Parkett“ zu bewegen. Das gilt aber nur im übertragenen Sinne, denn wenn es gilt, eine kesse Sohle aufs Parkett zu legen, dann sind sich alle jüdischen Mitglieder einig, sei es bei einer Hochzeit oder beim Purimfest, bei dem der Rettung der Juden in biblischer Zeit gedacht wird.




Die französischen Filmemacherinnen Arielle Artsztein und Esther Slevogt haben ein Jahr lang die Veranstaltungen und die Menschen mit der Kamera begleitet: „Das jüdische Gemeindehaus in Berlin hat uns schon lange fasziniert. Nicht nur wegen seines Flairs, der zwischen Glamour, großem politischen Parkett, Religiosität und muffiger Spießigkeit oszilliert, sondern weil es eine Welt für sich ist, eine jüdische Welt mitten in Berlin. Und weil es so exemplarisch für die geschlossenen Türen steht, hinter denen jüdisches Leben hierzulande auch heute noch stattfindet. Wer das wahre jüdische Leben in Deutschland erleben möchte, der sollte eigentlich hierher kommen.“


Helga Fitzner - red. / 23. März 2006
ID 00000002306
"Auf jüdischem Parkett"
(Deutschland 2005)
Dokumentarfilm von Arielle Artsztein und Esther Slevogt
über das Gemeindehaus der jüdischen Gemeinde Berlin

TV-Premiere am 3. April 2006 um 0.05 Uhr im ZDF

Weitere Infos siehe auch: http://daskleinefernsehspiel.zdf.de






 

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