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Filmbesprechung


Starttermin: 27. September 2007

Auf der anderen Seite

Deutschland 2007

Regie und Drehbuch: Fatih Akin

© Kerstin Stelter / corazón international

„Ich wollte einen Film darüber machen, wie man sich von seinen Idealen trennt, sie überwindet, um auf die ‚andere Seite’ zu gelangen“, erklärt Fatih Akin. Durch diese Transformation von „Idealen“, im Sinne von vorgefertigten, begrenzenden Ansichten, wird für die sechs Protagonisten des Films erst geistiges und spirituelles Wachstum möglich. Die „andere Seite“ steht aber auch für den Tod. Den kündigt Akin schon vorher mittels Zwischentiteln an. Da sich der Tod in keinem der Fälle vorher ankündigt und sehr plötzlich und eher zufällig daher kommt, kann der Zuschauer diesen Wissensvorsprung nutzen, um gedanklich vielleicht auf seine eigene Reise zu gehen.

Der pensionierte Witwer Ali (Tuncel Kurtiz) ist einsam. Beim Besuch der Prostituierten Yeter (Nursel Köse) kommt ihm die Idee, sie gegen ein Monatsentgelt bei sich aufzunehmen. Yeter zögert zunächst, lässt sich aber auf das Geschäft ein. Alis Sohn Nejat (Baki Davrak) ist nicht gerade begeistert von der neuen Haus- und Bettgenossin seines Vaters. Doch bei einem Gespräch mit ihr fängt es an, zu menscheln. Yeter hat eine erwachsene Tochter, die in Istanbul studiert; darum geht Yeter das Geld anschaffen. Nejat ist Germanistikprofessor an der Uni Hamburg und weiß, wie wichtig Bildung ist. Doch Yeter ist verzweifelt, weil ihre Tochter schon länger verschwunden ist.


Tuncel Kurtiz (Ali Aksu) and Nursel Köse (Yeter Öztürk) | © corazón international


Der alte Ali ist ein kleiner Haustyrann der alten Schule. Als es zwischen ihm und Yeter zu einem Machtkampf zwischen den Geschlechtern kommt, rutscht ihm die Hand aus. Yeter stürzt so unglücklich, dass sie an den Unfallfolgen stirbt. Ali wandert ins Gefängnis und sein Sohn Nejat will nichts mehr von ihm wissen.

Nejat beschließt, nach Istanbul zu fahren und Yeters Tochter Ayten (Nurgül Yesilcay) zu suchen. Er will ihr vom Tod der Mutter berichten und ihr Studium weiter finanzieren. Nejat weiß nicht, dass Ayten als politische Aktivistin in der Türkei Schwierigkeiten bekam und sich zur Zeit illegal in Deutschland aufhält. Sie ist auf verzweifelter Suche nach ihrer Mutter. Der Film hat solche gegenläufige Bewegungen als Strukturierungsprinzip. Die Lebensläufe der sechs Hauptfiguren berühren und verfehlen sich häufig. Die Antworten liegen oft in der Person begründet, die man gerade verpasst hat oder in dem Land, in dem man sich gerade nicht befindet.

Ayten geht in die Mensa der Universität, um dort billig zu essen. Dort lernt sie die Studentin Lotte (Patrycia Ziolkowska) kennen und lieben. Die lädt sie ein, bei sich zu wohnen, wovon Lottes Mutter gar nichts hält. Dann wird Ayten monatelang in einem Asylbewerberheim untergebracht und schließlich abgeschoben. Zurück in der Türkei landet sie im Gefängnis. Lotte versucht alles, um ihrer Freundin zu helfen. Ihre Mutter (Hanna Schygulla) finanziert sogar, wenn auch unwillig, die Anwälte. Als Lotte in die Türkei reisen will, um von dort aus zu helfen, verweigert die Mutter ihr jedoch die Hilfe...


Nurgül Yeºilçay (Ayten Öztürk) and Patrycia Ziolkowska (Lotte Staub) | © Kerstin Stelter / corazón international


„Auf der anderen Seite“ ist der zweite Teil der Trilogie „Liebe, Tod und Teufel“. Wie der erste Teil „Gegen die Wand“ hat der Film wichtige Preise abgeräumt. „Auf der anderen Seite“ ist als sogar deutscher Beitrag für den Auslands-Oscar 2008 nominiert. Von Stil und Machart her unterscheidet sich der neue Film wesentlich von „Gegen die Wand“. Er ist ruhiger und besinnlicher, allerdings nicht leidenschaftslos. Das Thema ist sozial, weil Menschen zwischen zwei Kulturen zerrieben werden und die Bedeutung von Bildung hervor gehoben wird. Es ist politisch, weil sowohl der Demokratiemangel in der Türkei als auch die fragwürdigen Methoden der Untergrundbewegung aufs Korn genommen werden. Auch die Asylpolitik in Deutschland wird kritisch begutachtet.
Achtung: Im kommenden Absatz nehmen wir das Ende des Films vorweg. Obwohl der Film den Trilogie-Teil „Tod“ bedient, ist im Hintergrund immer die Liebe und auch die Vergebung zu finden. Als Lottes Mutter nach Istanbul reist, um den Leichnam ihrer getöteten Tochter abzuholen, besucht sie Ayten im Gefängnis. Lotte wurde mit einer Waffe getötet, die sie in Aytens Auftrag aus einem Versteck holte. Ayten ist völlig verstört, weil sie sich schuld am Tod der Geliebten glaubt. Doch Lottes Mutter geht in die Vergebung und damit in die Erlösung. Für Nejat, den sie in Istanbul kennen gelernt hat, ist das ein Beispiel, seinem Vater die fahrlässige Tötung von Yeter zu verzeihen.


Regisseur Fatih Akin | © Kerstin Stelter / corazón international


Fatih Akin sagt über seinen Film:
„Kino bzw. Film stellt eine fundamentale Säule in meinem Leben dar. Es ist ein Lebensinhalt, ein Zentrum. Und diese Trilogie, dieses „Liebe, Tod und Teufel“, ist für mich eine Art Ausbildung. So etwas wie Hausaufgaben für das Leben. Und für das Kino natürlich. Für das, was ich erzählen möchte, braucht es drei Teile: Nämlich dass „Liebe“ die Essenz des Menschen und der Menschlichkeit ist und diese tagtäglich scheinbar schwindet, der „Tod“ eine Tür , ein Übergang, Bewegung, das Dazwischen ist und der „Teufel“ das Böse, die Zerstörung, die Gier, das Gegenteil von Liebe und sich stets mit ihr duelliert. Denn diese drei Elemente bestimmen unsere Welt, unser Leben, unser Universum. Doch in welchem Zusammenhang diese drei Elemente stehen, das muss ich erst noch herausfinden. Doch mit jedem gedrehten Meter habe ich das Gefühl, ich weiß weniger.“


Helga Fitzner - red / 14. November 2007
ID 3534

Weitere Infos siehe auch: http://www.auf-der-anderen-seite.de/





 

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