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JOHN LENNON (9.10.1940 bis 8.12.1980)
Es war nichts besonderes, einen Kassettenrecorder in die Englisch-Vertretungsstunde mitzubringen, wie es Frau J. machte, denn Kassettenrecorder kannten wir: "Hi. I am Helga. I am from Neustadt." Heute aber: Englischer Pop. Erster Song, den sich Frau J. ausgesucht hatte: Working Class Hero. Es singt: John Lennon, whom you might know as one of the members of the Beatles. Heute weiß ich, dass der Song mehr Dylan als Beatles ist, aber damals war es einfach etwas völlig neues. Weder Dylan noch Lennon, nur: anders. Alternativ. Meine Kollegen mochten den Stil nicht. Bruce Springsteen zündete als zweites Musikbeispiel in der Stunde. Aber als Springsteen vorsingen durfte, hatte ich mich schon auf einen neuen Hero festgelegt, einen Working Class Hero. Frau J. übersetzte uns die wichtigsten lines, und mit jeder Zeile, die sich mir erschloss, erschloss sich Musik als: politischer
Protest. Frau J. hatte als Aufgabe gestellt, in fünf Minuten ein paar Sätze darüber zu verschriftlichen. Answer the question: Do you like this song? Ich schrieb: "Yes I do. This music is true." Knapper habe ich nie wieder mein Erstaunen darüber, dass es solche Musik gibt, auf den Punkt gebracht. Ich musste nicht vorlesen. Das war gut so, denn es war für die Schule vielleicht etwas zu knapp. Und es war auch deshalb gut so, weil ich ein kleines Geheimnis für mich behalten konnte: This music is true.
Rupprecht Podszun
Der Autor Rupprecht Podszun, Jg. 1976, studiert Jura in München. Zuletzt
erschien sein Buch "Die verkalkte Republik oder: Das Märchen vom Jugendkult"
im Verlag Kiepenheuer & Witsch. Beiträge aus seiner Tastatur wurden unter
anderem in der Ost-West-Wochenzeitung "Freitag" und in der Süddeutschen
Zeitung veröffentlicht.
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