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Patrick Wildens jour fixe



"Die Frage ist: warum tut sie es dann?" fragte Övelgönne in die Runde. Ratlos standen wir mit unseren Plattfüßen auf dem Bahnsteig und blickten in alle düsteren Richtungen gleichzeitig.
"Vielleicht sollte man den Hersteller informieren", schlug Pälonpää vor. "Da erhält man unter Umständen lebenslang Garantie."
"Brilliante Idee", murrte Ottensen. "Hast du ein Handy?"
"Ein was?" fragte Pälonpää. Die moderne Kommunikationstechnologie war offenbar noch nicht bis nach Hapsalu vorgedrungen.
"Was heißt hier Handy", schaltete sich Lillehammer ein. "Wir könnten den nächsten Schnellbus nehmen und selbst der Herrenabteilung auf die Wäsche rücken."
Allgemeine Heiterkeit erhob sich.
"Schnellbus", prustete Övelgönne. "Du hast ja nicht mal ein Ticket."
"Klar hab ich einen Fahrschein", maulte Lillehammer zurück, zückte seine abgewetzte Lederbörse und zog ein zerknittertes Etwas daraus hervor, dessen Farbgebung einmal die einer Busfahrkarte gewesen sein könnte.
"Ja", meldete sich Ottensen, und man hörte seiner Stimme die Unsicherheit an, "aber der ist nicht mehr gültig."
Lillehammer stieß ihn an.
"Hömma, Altä, das is mein Tickät, und wenn du das nich glaubs, denn kuck's dir mal genauä an."
Und Ottensen fingerte mit seinen nervösen Zitterhänden an dem Stück Knüllpapier, bis wir anderen wieder lachen mußten.
"Hör auf", rief Pälonpää mit Tränen in den Augen, und Lillehammer setzte vorlaut hinzu:
"So mache ich das mit den Kontrollettis auch immer, und an der nächsten Haltestelle haue ich dann ab."
Ich wurde langsam ungeduldig.
"Was machen wir nun mit meiner Hose", wollte ich wissen. Sofort trat Stille ein.
"Wir sind uns alle darüber einig", hub Övelgönne an, nachdem alle wieder bei der Sache waren, "daß seine Hose" - er wies mit dem Zeigefinger auf mich - "eben, als wir auf dem Fischmarkt unsere Seehechtbrötchen kauten, noch braun gewesen ist..."
"Kackbraun", rief Lillehammer dazwischen.
"Feldbraun", präzisierte Ottensen.
"Sagen wir: braun", sagte ich durch zusammengebissene Zähne.
"Und seitdem wir hier unten im Schacht sind", fuhr Övelgönne fort, "hat sie sich verfärbt."
"Weil hier kein Tageslicht ist", beeilte sich Pälonpää zu sagen.
"Sei doch mal still, du Hundeschlittentreiber", motzte Lillehammer ihn an.
Pälonpää machte einen drohenden Schritt auf ihn zu.
"Was will denn unser Nordlicht hier?" grollte er.
"Seid still!" rief ich gegen den Lärm eines einfahrenden Zuges. "Wir müssen bei einer Reklamation doch auch angeben können, welche Farbe die Hose jetzt hier angenommen hat."
Alle nickten in das Quietschen der Bremsen hinein.
"Also", sagte ich feierlich, während sich die Türen der S-Bahn öffneten, "wer fühlt sich berufen, mir zu sagen, welche Farbe die Hose hat, die ich hier trage?"
Ein Mann, groß und breit, mit strähnigem blondem Haar, der eben aus dem Zug gestiegen war, blieb stehen und musterte mich.
"Ich hier", sagte er in nicht zu verkennendem russischem Akzent.
"Na, und? Welche Farbe?"
Wir sahen ihn begrierig an.
"Tannenbaumgrün", sagte der Russe seelenruhig, lachte dann gemütlich in sich hinein, machte eine Geste des Verabschiedens und trollte sich.
"Die Frage ist: warum tut sie es dann?" fragte Övelgönne in die Runde. Ratlos standen wir mit unseren Plattfüßen auf dem Bahnsteig und blickten in alle düsteren Richtungen gleichzeitig.
"Vielleicht sollte man den Hersteller informieren", schlug Pälonpää vor. "Da erhält man unter Umständen lebenslang Garantie."
"Brilliante Idee", murrte Ottensen. "Hast du ein Handy?"
"Ein was?" fragte Pälonpää. Die moderne Kommunikationstechnologie war offenbar noch nicht bis nach Hapsalu vorgedrungen.
"Was heißt hier Handy", schaltete sich Lillehammer ein. "Wir könnten den nächsten Schnellbus nehmen und selbst der Herrenabteilung auf die Wäsche rücken."
Allgemeine Heiterkeit erhob sich.
"Schnellbus", prustete Övelgönne. "Du hast ja nicht mal ein Ticket."
"Klar hab ich einen Fahrschein", maulte Lillehammer zurück, zückte seine abgewetzte Lederbörse und zog ein zerknittertes Etwas daraus hervor, dessen Farbgebung einmal die einer Busfahrkarte gewesen sein könnte.
"Ja", meldete sich Ottensen, und man hörte seiner Stimme die Unsicherheit an, "aber der ist nicht mehr gültig."
Lillehammer stieß ihn an.
"Hömma, Altä, das is mein Tickät, und wenn du das nich glaubs, denn kuck's dir mal genauä an."
Und Ottensen fingerte mit seinen nervösen Zitterhänden an dem Stück Knüllpapier, bis wir anderen wieder lachen mußten.
"Hör auf", rief Pälonpää mit Tränen in den Augen, und Lillehammer setzte vorlaut hinzu:
"So mache ich das mit den Kontrollettis auch immer, und an der nächsten Haltestelle haue ich dann ab."
Ich wurde langsam ungeduldig.
"Was machen wir nun mit meiner Hose", wollte ich wissen. Sofort trat Stille ein.
"Wir sind uns alle darüber einig", hub Övelgönne an, nachdem alle wieder bei der Sache waren, "daß seine Hose" - er wies mit dem Zeigefinger auf mich - "eben, als wir auf dem Fischmarkt unsere Seehechtbrötchen kauten, noch braun gewesen ist..."
"Kackbraun", rief Lillehammer dazwischen.
"Feldbraun", präzisierte Ottensen.
"Sagen wir: braun", sagte ich durch zusammengebissene Zähne.
"Und seitdem wir hier unten im Schacht sind", fuhr Övelgönne fort, "hat sie sich verfärbt."
"Weil hier kein Tageslicht ist", beeilte sich Pälonpää zu sagen.
"Sei doch mal still, du Hundeschlittentreiber", motzte Lillehammer ihn an.
Pälonpää machte einen drohenden Schritt auf ihn zu.
"Was will denn unser Nordlicht hier?" grollte er.
"Seid still!" rief ich gegen den Lärm eines einfahrenden Zuges. "Wir müssen bei einer Reklamation doch auch angeben können, welche Farbe die Hose jetzt hier angenommen hat."
Alle nickten in das Quietschen der Bremsen hinein.
"Also", sagte ich feierlich, während sich die Türen der S-Bahn öffneten, "wer fühlt sich berufen, mir zu sagen, welche Farbe die Hose hat, die ich hier trage?"
Ein Mann, groß und breit, mit strähnigem blondem Haar, der eben aus dem Zug gestiegen war, blieb stehen und musterte mich.
"Ich hier", sagte er in nicht zu verkennendem russischem Akzent.
"Na, und? Welche Farbe?"
Wir sahen ihn begrierig an.
"Tannenbaumgrün", sagte der Russe seelenruhig, lachte dann gemütlich in sich hinein, machte eine Geste des Verabschiedens und trollte sich.


Patrick Wilden, 2. Juli 2004
ID 00000001156




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