Die Libellen haben sich natürlich längst schlafen gelegt. Sie sind auch nicht sehr musikalisch mit dem Prestissimoschlag ihrer Propeller, anders als etwa Mücken oder Grillen. Während die einen unermüdlich auf dem Kamm blasen und die anderen mit mehr oder minder gezackten Fuchsschwänzen über ihre Baßgeigen streichen, haben die Helikopter unter den Starrflüglern ihre Metronome schon weggepackt und sich unter die Seerosen im Palaisteich zurückgezogen.
Der ganze Stadtzoo ist auf den Beinen. Musik liegt in der Luft, schlägt durch die Bäume, derweil fette Picknickkörbe zur Waldbühne geschleppt werden. Mit unsichtbaren Fühlern brechen wir durch das Halbdunkel des großen Gartens, hier und da klauben wir uns mit aufgeschraubtem Rüssel eine Erdnuß aus einem der schwenkenden Körbe. Geschmeidig umgleiten wir die Konzertbesucher, unsere Nachtsichtgeräte sind geschärft, denn noch sind keine Positionslichter aufgesteckt. Nase an Nase laufen sie durch den Park und verstopfen mit ihrer Erwartung den Juliabend.
Während wir die Räder am Drahtzaun verkabeln, kleckst künstlicher Gitarrenklang von drinnen auf uns herab wie Schweißtropfen. Gierig lecken wir uns unsere Stechmäuler. Noch ruhen die Feuerzeuge in den Gesäßtaschen, wir tauchen an den Wachmännern vorbei, aalen uns durch die umsummte Elefantenhorde auf den Rängen, die dröhnend den Weg versperrt. Von einem Platz am Rande der Muschel, unter der schon die Instrumente schillern wie die Augen der schlafenden Wasserjungfern, sehen wir, wie droben im Turmzimmer ein kleines Rudel Vokalisten Schnaken und Gnitzen aus dem erleuchteten offenen Fenster scheucht. Nur Feuer hilft dagegen.
Der Höhepunkt naht. Bald schon wogen wir in einem Brei von feuchten Leibern, vergessen das Grillengeflüster in den Büschen des Parks. Ein wohliger Klangmantel deckt uns zu, während sich ein blutroter Lichtstrahl über unsere Köpfe ergießt, und wir werden wieder zu Menschen, rufend, brüllend, singend. Das zieht die Langhörner an, die man weder sieht, noch hören wir ihren hellen Sopran durch das Dickicht der Töne, die von der Bühne fallen.
Nur Feuer hilft noch. Feuerzeuge flammen auf, und ich fange an, im Wogen der gereckten Arme mit Streichhölzchen zu hantieren. Doch bevor das erste brennt, ist der Song vorbei, und eine Mücke hat ihren Rüssel in meine ungeschützte Nase gebohrt.Die Libellen haben sich natürlich längst schlafen gelegt. Sie sind auch nicht sehr musikalisch mit dem Prestissimoschlag ihrer Propeller, anders als etwa Mücken oder Grillen. Während die einen unermüdlich auf dem Kamm blasen und die anderen mit mehr oder minder gezackten Fuchsschwänzen über ihre Baßgeigen streichen, haben die Helikopter unter den Starrflüglern ihre Metronome schon weggepackt und sich unter die Seerosen im Palaisteich zurückgezogen.
Der ganze Stadtzoo ist auf den Beinen. Musik liegt in der Luft, schlägt durch die Bäume, derweil fette Picknickkörbe zur Waldbühne geschleppt werden. Mit unsichtbaren Fühlern brechen wir durch das Halbdunkel des großen Gartens, hier und da klauben wir uns mit aufgeschraubtem Rüssel eine Erdnuß aus einem der schwenkenden Körbe. Geschmeidig umgleiten wir die Konzertbesucher, unsere Nachtsichtgeräte sind geschärft, denn noch sind keine Positionslichter aufgesteckt. Nase an Nase laufen sie durch den Park und verstopfen mit ihrer Erwartung den Juliabend.
Während wir die Räder am Drahtzaun verkabeln, kleckst künstlicher Gitarrenklang von drinnen auf uns herab wie Schweißtropfen. Gierig lecken wir uns unsere Stechmäuler. Noch ruhen die Feuerzeuge in den Gesäßtaschen, wir tauchen an den Wachmännern vorbei, aalen uns durch die umsummte Elefantenhorde auf den Rängen, die dröhnend den Weg versperrt. Von einem Platz am Rande der Muschel, unter der schon die Instrumente schillern wie die Augen der schlafenden Wasserjungfern, sehen wir, wie droben im Turmzimmer ein kleines Rudel Vokalisten Schnaken und Gnitzen aus dem erleuchteten offenen Fenster scheucht. Nur Feuer hilft dagegen.
Der Höhepunkt naht. Bald schon wogen wir in einem Brei von feuchten Leibern, vergessen das Grillengeflüster in den Büschen des Parks. Ein wohliger Klangmantel deckt uns zu, während sich ein blutroter Lichtstrahl über unsere Köpfe ergießt, und wir werden wieder zu Menschen, rufend, brüllend, singend. Das zieht die Langhörner an, die man weder sieht, noch hören wir ihren hellen Sopran durch das Dickicht der Töne, die von der Bühne fallen.
Nur Feuer hilft noch. Feuerzeuge flammen auf, und ich fange an, im Wogen der gereckten Arme mit Streichhölzchen zu hantieren. Doch bevor das erste brennt, ist der Song vorbei, und eine Mücke hat ihren Rüssel in meine ungeschützte Nase gebohrt.
Patrick Wilden, 1. August 2004 ID 1180
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