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Es hat sich etwas verändert in meinem Leben. Ich bin Sachse.
Spräche mich nun jemand an, ein älterer Herr mit Ulbrichtbärtchen und steifem Hut etwa, "Liebwerter Herr", würde er zum Beispiel sagen, "was sind denn Sie für eener?", und ich würde, wie mir das so oft passiert, gerade auf meinem linken Fuß stehen und gedankenverloren hin- und herwippen - es bliebe mir nichts anderes übrig, als ihm zu sagen: "Ich bin Sachse."
Aber dann würde ich mich, sobald er insistieren würde, schnell abwenden, weil mich die fehlende Lautung gewiß verriete - in den B-Tonarten war ich noch nie besonders firm. Reißaus würde ich nehmen, um mich nicht vor einem dahergelaufenen Männlein rechtfertigen zu müssen.
"Halt, so warten Sie doch", würde es hinter mir herschallen, und der knubbelige Bartträger würde mir auf seinen kurzen Gehgehölzen nachgelaufen kommen, "wie lange sind Sie denn schon Sachse?"
Nu, so drei, vier Tage.
"Und wie sind Sie dazu gekommen, Sachse zu werden?"
Um genau zu sein: die Musik hat mich dazu bewogen. Aber ich bin mir, ehrlich gesagt, nicht ganz sicher, ob Adolphe Sax es so gemeint hat, als er sein sonores Instrument erschuf. Ein Freund von mir bläst recht ordentlich darauf, auch wenn er kein Sachse werden will, sondern noch immer seine Schwabenspiegeleier nach altem Recht mit den Konvexlinsen gart, die er der ägyptischen Pflückerkohorte nach der letzten Nachtschicht abgeluchst hat.
Dabei hatte ich mir sogar extra ein neues Mundstück besorgt, bevor ich mit dem Meldezettel in der Hand vor den Beamten trat. Bereitwillig stempelte er meinen Paß um. Aber meine Technik ist noch weit davon entfernt, ausgereift zu sein. Ein Sachse ohne Obertöne.
Und mit einem Mal würde ich wieder den älteren Herrn keuchen hören. Er hätte sich nicht unwesentlich verändert, trüge nun einen Seppelhut und einen melierten Franz-Joseph-Bart. "Das verstehe ich nicht", würde er mit einem rauchigen Akzent krächzen, "Sie sind Sachse und nicht sachsophon?"
Drei, vier Tage bin ich Sachse, und laut würde ich sagen: "Und was sind nu Sie für eener?"
"Schweizer", hörte ich das Männlein darauf antworten, "böhmischer Schweizer", und ein paar Hatscheks später würde er an meine Brust sinken und mit bewegter Stimme murmeln: "Endlich wieder vereint, pane, an Europens Busen."

Patrick Wilden, 1. Mai 2004


 

 



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