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Lieber Rapronobis,

es ist spät geworden, und ich habe sämtliche Fragen vergessen, die ich an dich richten wollte. Aber eine Frage fällt mir da gerade ein: Wie soll es weitergehen, o Rapronobis, du Beschützer der Schwachen, du mit der Morgengabe leuchtender Vernunft und strahlender Weitsicht Gesegneter? Doch du ziehst es vor, zunächst deinen Kaffee zu schlürfen, den du, wie nicht eben viele Menschen, zu jeder Tages- und Nachtzeit in dich hineinschütten kannst. Andere sind gerade jetzt mit wachsender Verzweiflung damit beschäftigt, auf den Schlaf zu warten. Dabei haben sie ihn eigentlich schon käuflich erworben, da der Sessel, in dem sie sitzen und der etwa auf den Metallboden eines fahrenden Zuges oder auf die Planken eines schaukelnden Schiffes montiert ist, mit bürgerlichem Namen „Schlaf-Sessel“ heißt. An Schlaf, das wirst du, o Rapronobis, wohl wissen, ist dabei allerdings meist nicht zu denken. Ein Bett hingegen hat den Vorteil, daß in seinem Namen – „Bett“ eben – keinerlei Anspielung auf den Schlaf enthalten ist. Er findet sich zumeist darin, man muß ihn in der Regel nicht dazukaufen. Doch wie sagte neulich, als ich vergeblich bat, zu dir, o Rapronobis, vorgelassen zu werden, deine Sekretärin, Signorina Peccata Mundi, so schön, als wir auf das Thema Schlaf (sie machte mir vor, du haltest eben deinen Mittagsschlaf) zu sprechen kamen: Il lit bedeutet im Französischen „er liest“, wobei lit zugleich das französische Wort für „Bett“ ist („Er liest im Bett“ – so könnte man die Sache auch deuten); spricht man es hingegen italienisch aus, mit der Betonung auf dem ersten i und einem langen l, so wird Illy™ daraus, der bekannte Triestiner Kaffeeröster, mit dem du, o Rapronobis, ja sogar per du bist. „Perdu“, mischt sich da eben meine alte Bekannte, Miss Donna Nobis ein, die immer alles besser weiß und die kürzlich ihren langjährigen Lebensgefährten, Dr. Heribert Pacem geehelicht hat, und sich nun, ganz amerikanische Manier, Mrs. Donna Nobis Pacem – oder auch kurz: Donna N. Pacem – nennen darf. O Rapronobis, in welch wunderlichen Welt wir doch leben. Bitte sei uns gnädig und sende allen Zecken die Krätze an den Hals.


Patrick Wilden, 12. August 2005
ID 1994






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