Wir kommen vom Kino.
"Ich verstehe den Film nicht", sagt A.
"Ist doch ganz klar", sagt B. "Die Spießer stecken die
Frauen ins Kloster, weil sie ihre Erotik nicht ertragen
können. Und bringen sie zum Schweigen."
"Eine Geschichte des Wahnsinns", sagt C., "wer nicht
sprechen darf, wird entmündigt."
Wir scheinen in einem großen Hafenviertel verloren, dabei
ist es nur die tote Innenstadt an einem regnerischen
Februarabend. Vor uns ragt das Parkhaus auf wie ein
Fährschiff. Wir steigen seitlich die Gangway hinauf bis zum
Oberdeck. Das Ticket, das ich aus meinem Portemonnaie ziehe,
stecke ich mit dem Magnetstreifen nach oben ins Prüfgerät. Ein
leises "Klick" in der Tür läßt uns eintreten.
Es riecht metallisch im Bauch unserer Fähre. Ich rangiere
das Auto aus der Parklücke, lasse alle einsteigen. Auch andere
Kinobesucher holen ihre Autos, sie haben genug gesehen, wollen
jetzt die Beklommenheit des Films abstreifen und wieder
irgendwo ankommen.
Wir kurven nach unten. Die Einfahrten der Rampen sind eng,
ich muß heftig kurbeln. Schleifspuren an den Wänden deuten auf
abgewetzte Stoßstangen, schwarzer Hartplastikabrieb.
"Ein schöner Bunker für den nächsten Krieg", entfährt es C.
Einige Etagen tiefer leuchtet gelb ein Kassenautomat. Ich
halte auf einem leeren Parkplatz. B. steigt aus, um die Gebühr
zu zahlen, aber der Automat ist defekt, sie steigt wieder ein.
Kurz vor der Schranke halte ich und steige aus. Im
Treppenhaus ist noch ein Automat, ich muß durch eine Glastür,
die sich wieder erst öffnet, nachdem ich den Parkschein mit
dem Magnetstreifen nach oben in einen Schlitz gesteckt und
wieder herausgezogen habe.
Ein paar Leute schlängeln sich auf den Kassenautomaten zu.
Abseits stehen drei Mädchen mit Kunstpelzquasten an ihren
gesteppten Mänteln und wünschen sich einen guten Heimweg. Der
Typ mit der Lederjacke vor mir braucht ewig.
Ich komme an die Reihe, stecke den Schein mit dem
Magnetstreifen nach oben in den Automaten und versuche die
drei Münzen für das Parkgeld möglichst cool einzuwerfen,
einhändig. Die Stimmen der Mädchen sind verhallt, es ist fast
still, bis auf ein Summen, das auch von einer entfernten
Turbine stammen könnte.
Ich hole mir derweil einen Krampf in die rechte Hand, denn
wenn ich die eine Münze zwischen Daumen und Zeigefinger kralle
und zum Automaten balanciere, dürfen die anderen, die ich mit
den übrigen Fingern festhalte, nicht herunterfallen. Es geht
langsam, die Sperrzunge muß den Schlitz immer erst freigeben.
Endlich kommt der Parkschein mit Entwerteraufdruck aus der
Maschine, ich nehme ihn, wir können los!
Ich gehe aufs Auto zu, sehe meine drei Begleiterinnen
darin reden.
"Und wenn wir noch nicht soweit sind?" gibt C. gerade, als
ich einsteige, zu bedenken. "Ihr wißt ja, was mit der
Kanalfähre passiert ist, die die Klappe nicht geschlossen
hatte."
Ich fahre den Wagen langsam an die Box vor der Schranke
heran, während ich noch das Fenster herunter kurbele. Die
Schranke hebt sich, als ich den Parkschein mit dem
Magnetstreifen nach oben in den Schlitz stecke.
Wir verlassen das Parkhaus, mit einem Ruck setzt der Regen
wieder ein, der nun heftig auf das Blechdach trommelt. Ich halte
kurz und biege schließlich rechts ab in die Dunkelheit.