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- Der Oberhofmarschall -
Herr Magister,
deutlich, ja allzu naheliegend haben wir Ihren Antrag aufgenommen, doch wahr- und annehmen können wir ihn nicht. Sie schreiben, Sie wollten sich in Ihrem untertänigen und steuerpflichtigen Dienste vornehmlich damit befassen, selbst ständig zu sein. Bei allen Anleihen an moderne merkantilistische Wirtschaftsformen und konstitutionelle Autokratie, wie wir sie auf dem Boden unseres Fürstentums propagieren - das ist unmöglich.
Zunächst einmal: Wer sind Sie selbst? Haben Sie diese triftige Frage füglich und rechtens, ehrlich und aufmerkend in Ihrem Herzen bewegt? Erst nach der Durchmessung sämtlichen Seelenheils und vor allem -unheils dürfte es Ihnen gelingen, eine solche Frage zufriedenermaßen richtigzustellen. Doch gelänge Ihnen auch das Unmögliche, so säßen Sie doch ein Leben lang wie der kleine Mann vor der offenen Pforte des Gesetzes, bevor Sie die ersten Worte einer Replik beisammen hätten, und dann wären Sie ein Greis mit loderndem wallendem Haar, der vielleicht noch unserem Armenkasten anheim fiele. Mit bartlosem Gesicht werden Sie dann allenfalls noch Kartoffelpüree im Munde wälzen, jedoch keine Fragen, auf die die Menschheit bislang nur ungenügende Antworten gefunden hat.
Sodann: Wie sieht es aus mit Ihrer Ständigkeit? Ihrer Stetigkeit und Ausdauer? Ständig sein zu wollen bedeutet in unserem - großfürstlichen - Sinne, für alle Eventualitäten des Vaterlandes stets einstehen zu können. D.h. für Umsatzsteuern, Mehrwertsteuern, Einkommenssteuern, für Einberufungen und Einquartierungen, Spann- und Ausspanndienste, Eintreibungen und Abtreibungen, Demonstrationen und Deportationen und für vieles mehr. Wie können wir uns Ihrer Beständigkeit in Gesinnungsfragen, Ihrer patriotischen Überzeugung, ja Ihrer Zahlungsmoral vergewissern? Wie können Sie vor uns bestehen? All das sind Fragen, die Sie in Ihrem Busen tragen sollten, bevor Sie sich mit unbeholfenen Anträgen an uns wenden.
Endlich: das Sein - die Kernfrage allen Lebens. Immerhin vernehmen wir von Ihrem Poststempel, daß Sie in albertinischen Landen leben, in einer Stadt, in der alltäglich die Rauchsäulen der Erinnerung gen Himmel steigen. Wir gehen daher davon aus, daß Sie den Unterschied kennen zwischen Sein und Dasein, zwischen Sein und Bewußtsein. Doch mag das Sein, welches Sie selbst und ständig gewährleisten wollen, ewig wabern - auch Sie, das werden Sie nicht verleugnen können, werden einmal nicht mehr da sein. Haben Sie sich bereits darum gesorgt, wer dann für Ihre Hinterbliebenen gerade steht? Zuvor schon wird sich Ihr Bewußtsein eintrüben, Sie werden die Blasen der Sprache, die Formen der Ohren und die Haare in der Nase Ihres nächsten Gegenübers nicht mehr bestimmen können. Wie verhält es sich mit Ihrer Einstellung zu solch schlichten menschlichen Tatsachen?
Kurz: die Regierung seiner Durchleucht, des Großfürsten Ernesto des Vierundzwanzigsten des Hauses W., ist nicht gewillt, Ihnen auf dem von ihr bestellten Boden die Möglichkeit einzuräumen, selbst ständig zu sein. Sie bedauert dies ausdrücklich nicht, läßt Ihnen auch ansonsten keine fadenscheinigen Sonderwünsche zukommen, sondern empfiehlt Ihnen nachdrücklich, sich fortan Anton Gänsefuß zu nennen.
Jaromir Gotzpscheißerle
- Oberhofmarschall, A 16 -
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Patrick Wilden, 28. November 2004 ID 1352
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