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Ein heiterer Wind durchweht die Gassen. In jedem Hauseingang wartet eine neue Berufung, doch tritt sie einem nicht, wie man vielleicht erwarten könnte, als langaufgeschossener Vertretertyp im grauen Überzieher entgegen. Vielmehr kommt die lichte Zukunft, in der gewiß alles besser wird, im Gewand einer weiß, braun und schwarz gescheckten Katze daher. Das läßt die Aszendenten mit venerischer Vergangenheit guter Hoffnung sein, wenn, ja wenn sie es überhaupt noch spüren können.
Auch der Bibliotheksstaub fällt von einem ab. Waren es vorgestern die Asthmatiker, denen die Luftfeuchtigkeit den Atem raubte, und klagten gestern noch die Allergiker, deren Haut von der Trockenheit langer Heizperioden ganz schrundig geworden war, so tritt heute endlich die Sonne aus der Wolke, rotwangige Kleinkinder blicken von ihren Stützrädern hoch, und auf der ganzen Kulisse ruht plötzlich ein Lächeln, wie es ein Haydn kaum schöner hinbekommen hätte.
Nach fünfzig Tagen ist der Frühling schon tüchtig ins Kraut geschossen. Das Paarungsverhalten sollte darauf Rücksicht nehmen. Selbst der Fluß ist in sein Bett zurückgekehrt. Doch von Trägheit keine Spur. Lange Spargel stehen neben Bohnenstangen, recken die zeugenden Köpfchen. Eine Zucht von Rhabarbern kniet nebendran und betrachtet mitleidig die verregneten Erdbeeren. Die Radler verstopfen indessen die Gemüsegärten, sie schritten auch besser die Meile mit den Biertischen ab und genehmigten sich inmitten von Rotkohlen und Kugelbäuchen ein Krügel von dem Schwarzbraunen mit Klopsen und Kraut.
Der Wind weht noch immer, und die Katzen springen von Dach zu Dach. Besser, man denkt schon jetzt um und verlegt dringende Geschäftstermine in die alten Regenrinnen der „Stadt Leipzig“, aus denen zarte Weidenstämmchen sprießen. Es läßt sich nicht sagen, wie sich das anfühlt: die Freiheit, stets einen Dachziegel in die Hand nehmen zu dürfen. Nie mehr
Autoreifen
Brausepulver
Hähnchendöner.
Handeln Sie stets so,
daß sich die Schnürsenkel Ihrer Lackschuhe nie mehr verknoten. Sie werden ganz sicher ein besserer Mensch.
Vielleicht.


Patrick Wilden, 16. Mai 2005
ID 1889






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