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Wie soll man leben? Vielleicht weiß es der neue ZDF-Krimi mit dem netten Kommissar, der sein Revier zum Thema macht und daher so schön authentisch rüberkommt: frustrierte Essener Drogerie-Markt-Angestellte, die im Affekt ihren barbarischen Chef überrollt und dabei ihren Job aufs Spiel setzt, oder so. Authentisch eben – so muß es schon scheinen, um echt zu sein. Oder wir zappen uns weiter durchs Programm und landen beim unglaublich authentischen 80er-Jahre-James-Bond und Star-Wars-Verschnitt, der auf MDR läuft: riesiges Geknall im All, obwohl dort noch kein Mensch je Schallwellen gemessen hat; Weltraumsex ohne Schwerkraft. Undsoweiter. Alles ist möglich, oder doch: nichts ist un... – – an dieser Stelle auch noch Schleichwerbung zu machen, wäre wirklich ungehörig. Das haben wir nicht nötig. Wir haben statt dessen den einen Monitor aus- und schon den nächsten angeknipst: Symbole tummeln sich, ein Cursor beginnt zu blinken auf einer virtuellen (also völlig unauthentischen!) DIN-A4-Seite, die sich scheinbar mit Times-New-Roman-Buchstaben füllt. Als ich vor einer halben Ewigkeit, nämlich ziemlich genau vor 16 Jahren, in einer Familie im US-Bundesstaat Ohio vier Wochen lang Austauschgast war, wurde ich, kaum gelandet, mit ihrem sprechenden Auto konfrontiert, das einen zum Beispiel darauf hinwies, daß es ratsam sei, sich anzuschnallen. Ich meine, solch intelligente Fahrzeuge sind in Europa erst seit wenigen Jahren überhaupt lieferbar, mit Bordcomputer und allem Schnickschnack. An sowas war bei der Familie damals in Ohio nicht zu denken, die Leute waren brave, wahrscheinlich irischstämmige und, ganz nach Klischee, arme und ehrliche Katholiken. Aber sie besaßen ein sprechendes Auto, das, kurz bevor eine jede Fahrt losging, immer einen Spruch aufsagte, den ich erst im Laufe der Jahre verstanden habe. (Wahrscheinlich kam mir die Erkenntnis irgendwann einmal morgens im Halbschlaf, eine unglaublich lichte Phase menschlicher Wahrnehmung.) Das Auto nämlich sprach da jedesmal folgenden Satz: All monitoring systems are functioning. Grandios, nicht wahr? Alle Anzeigesysteme funktionieren. Alle Monitore eingeschaltet. Heutzutage wäre man über diese Ansage nicht nur beglückt, man würde auch gleich versuchen wollen, diese Bildschirme auf lebenspraktische Hinweise hin zu überprüfen. So sehr sind wir in der Internet- und Googlewelt angekommen. Es ist natürlich müßig, die Welt von 1991 mit der heutigen zu vergleichen. Damals war das Land, das ich besuchte, gerade dabei, im Irak kein Blut für Öl zu vergießen, wie die Parole auf den Demonstrationen hieß, zu denen ich immer gegangen war. Und heute ballert die U.S. Army schon wieder – oder sollten wir sagen: noch immer? – höchst unerfolgreich im Zweistromland rum. Man fragt sich wirklich, ob im Generalstab all monitoring systems are funcioning. Aber die Frage war ja: wie soll man leben? Und da erscheint es mir doch schöner, die Antwort weniger auf Bildschirmen, Leinwänden und – nun ja – Monitoren zu suchen. Eben stieß ich auf den authentischen Gesang eines braven, wahrscheinlich irischen und, ganz nach Klischee, armen und ehrlichen Katholiken, der vor vielen Jahren einen Trip to Jerusalem unternahm. Und was sagte der noch gleich zur Thematik?

I was travellin I don’t know
You pack your gear get up and go
Leave the crack for another bout
Could damn well do with a pint of stout



Patrick Wilden, 17 March 2007
ID 00000003065






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