‚Endlich einmal ein anspruchsloser Text‘, denken viele, wenn sie diese Zeilen hier lesen. Und sie werden das auf den unangestrengten Tonfall zurückführen, mit dem ich ihnen diesen Gedanken nahelege, um nicht zu sagen: aufdränge. In der Tat: was liegt näher, als sich einfach an den Schreibtisch zu setzen (im Sitzen geht es nunmal am besten, auch wenn es die schädlichste der drei Körperstellungen des Alltagslebens ist) und festzuhalten, wie es gerade um einen selbst bestellt ist. Wenn die Fakten so nahe liegen, so dicht am eigentlichen Geschehen, also am Schreiben sind. Aber hör ich recht? Die ersten wenden sich hier bereits enttäuscht von dem Text ab, weil sie es, so die fadenscheinige Begründung, naheliegender fänden, wenn ich ihnen eine lustige Geschichte erzählte? So wie neulich. So wie schon ein paarmal in den letzten Monaten (wenn auch nicht immer). Ständig wollen sie den Puderzucker quer in den Hintern geblasen bekommen. Reine Dekadenz, vor allem wenn man sich das mal bildlich vor Augen führt. Aber ich gebe zu: die Dinge des täglichen Lebens, die Schreibtischablage, der Schnuller für den Kleinen, der unbezahlte Strafzettel – die sind für sie viel näher liegend, sie lagern sich um ihren Computer herum, während für mich das Gerät zum Gegenstand wird. Nicht nur zu einem Ding, einem unbelebten Etwas, das brummt, flimmert und dabei im Prinzip nur Zahlencodes hin- und herschieben kann, nein nein. Ich meine, ich könnte auch den nächstliegenden Kassenbon vom vergangenen Wochenende abschreiben, „Pfandartikel 2,40 EUR“ würde dann da stehen oder „Lollo Rosso&Bionda“ mit der Artikelnummer 898 zu 0,49 EUR. Wäre das etwa interessanter? Ja? Aber nicht wirklich, meine Damen und Herren. Man kann, man sollte immer das Naheliegendste zum Thema machen, da bin ich für. Die einen mögen eben den Einkaufszettel nehmen („KaufMarkt Dresden Elbe-Park // Auf Dauer Gut und Billig // 0351 / 853950 // ID-Nr. DE145804180“), und ich gebe zu, daß das auch etwas für sich haben kann. Man gewinnt zumindest den Eindruck, daß man nahe dran ist am gelebten Leben. Aber ich bestehe darauf: mag es sich auch um nahe liegende Objekte der Lebenswelt handeln, für mich ist die Tastatur des Computers, die neben dem Kassenbon im Gewühl der Schreibtischarbeitsfläche nistet, wesentlich naheliegender. Geht das nun in den Kopf hinein? Ist schon drin? Wie das wohl wieder gemeint ist. Fast könnte man meinen, die Leser wüßten schon alles, was ich ihnen erzähle. Wozu soll ich mich eigentlich noch anstrengen? So aufregend ist es auch nicht, dieses Mit-den-Fingern-über-die-Tastatur-Witschen, das ja für die meisten Schreibtischtäter das naheliegendste Tätigkeitsprofil auf dem nächstliegenden Arbeitsgerät darstellt. In diesem Punkt habe ich immerhin recht, haha. Das macht Freude. Aber man muß auch Abstand gewinnen können. Etwas essen, Klavier spielen, ins Kino gehen. Das geht nicht am Computer. Was liegt näher, als aufzuspringen und sich ins Geschehen zu stürzen? ‚Endlich einmal ein anspruchsloser Text‘, denken viele, wenn sie diese Zeilen hier lesen. Und sie werden das auf den unangestrengten Tonfall zurückführen, mit dem ich ihnen diesen Gedanken nahelege, um nicht zu sagen: aufdränge. In der Tat: was liegt näher, als sich einfach an den Schreibtisch zu setzen (im Sitzen geht es nunmal am besten, auch wenn es die schädlichste der drei Körperstellungen des Alltagslebens ist) und festzuhalten, wie es gerade um einen selbst bestellt ist. Wenn die Fakten so nahe liegen, so dicht am eigentlichen Geschehen, also am Schreiben sind. Aber hör ich recht? Die ersten wenden sich hier bereits enttäuscht von dem Text ab, weil sie es, so die fadenscheinige Begründung, naheliegender fänden, wenn ich ihnen eine lustige Geschichte erzählte? So wie neulich. So wie schon ein paarmal in den letzten Monaten (wenn auch nicht immer). Ständig wollen sie den Puderzucker quer in den Hintern geblasen bekommen. Reine Dekadenz, vor allem wenn man sich das mal bildlich vor Augen führt. Aber ich gebe zu: die Dinge des täglichen Lebens, die Schreibtischablage, der Schnuller für den Kleinen, der unbezahlte Strafzettel – die sind für sie viel näher liegend, sie lagern sich um ihren Computer herum, während für mich das Gerät zum Gegenstand wird. Nicht nur zu einem Ding, einem unbelebten Etwas, das brummt, flimmert und dabei im Prinzip nur Zahlencodes hin- und herschieben kann, nein nein. Ich meine, ich könnte auch den nächstliegenden Kassenbon vom vergangenen Wochenende abschreiben, „Pfandartikel 2,40 EUR“ würde dann da stehen oder „Lollo Rosso&Bionda“ mit der Artikelnummer 898 zu 0,49 EUR. Wäre das etwa interessanter? Ja? Aber nicht wirklich, meine Damen und Herren. Man kann, man sollte immer das Naheliegendste zum Thema machen, da bin ich für. Die einen mögen eben den Einkaufszettel nehmen („KaufMarkt Dresden Elbe-Park // Auf Dauer Gut und Billig // 0351 / 853950 // ID-Nr. DE145804180“), und ich gebe zu, daß das auch etwas für sich haben kann. Man gewinnt zumindest den Eindruck, daß man nahe dran ist am gelebten Leben. Aber ich bestehe darauf: mag es sich auch um nahe liegende Objekte der Lebenswelt handeln, für mich ist die Tastatur des Computers, die neben dem Kassenbon im Gewühl der Schreibtischarbeitsfläche nistet, wesentlich naheliegender. Geht das nun in den Kopf hinein? Ist schon drin? Wie das wohl wieder gemeint ist. Fast könnte man meinen, die Leser wüßten schon alles, was ich ihnen erzähle. Wozu soll ich mich eigentlich noch anstrengen? So aufregend ist es auch nicht, dieses Mit-den-Fingern-über-die-Tastatur-Witschen, das ja für die meisten Schreibtischtäter das naheliegendste Tätigkeitsprofil auf dem nächstliegenden Arbeitsgerät darstellt. In diesem Punkt habe ich immerhin recht, haha. Das macht Freude. Aber man muß auch Abstand gewinnen können. Etwas essen, Klavier spielen, ins Kino gehen. Das geht nicht am Computer. Was liegt näher, als aufzuspringen und sich ins Geschehen zu stürzen?
Patrick Wilden, 13. Juli 2004 ID 1164
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