Augen und Mund als WaffenVor 25 Jahren starb die Schauspielerin Joan Crawford
Zu einer Zeit, in der es um die Gleichberechtigung noch nicht zum Besten stand, vermittelte sie bereits das Gefühl, Frauen könnten in einer Männerwelt durchaus Triumphe feiern. Als ihre "Waffen" im Beruf und im Privatleben galten ihre Augen, ihr Mund und ihr Schulterpolster. Die Rede ist von der amerikanischen Schauspielerin Joan Crawford (1908-1977), geborene Lucille Fayle Sueur, die für mehr als 80 Filme vor der Kamera stand. Der Todestag dieses großen Leinwandstars jährt sich jetzt zum 25. Mal. Lucille Fayle Sueur kam am 23. März 1908 in San Antonio (Texas) zur Welt, als ihre Eltern schon geschieden waren. Die Mutter heiratete danach einen Varietébesitzer namens Cassin in Lawton (Oklahoma). Dort lebte die kleine Lucille, die damals "Billie Cassin" hieß, acht Jahre lang. Als Sechsjährige erlitt sie einen Autounfall, bei dem fast ein Fuß verkrüppelt worden wäre. 1916 zog die Familie nach Kansas City, wo sich die Eltern 1917 scheiden ließen. Lucille besuchte zunächst die "St. Agnes Academy" und später eine andere Privatschule in Rockingham. Im Alter von 13 Jahren siegte sie bei einem Tanzwettbewerb in einem Café von Kansas City. Nach Abschluss der High School ging sie als Werkstudentin zum "Stephens College" in Columbia (Missouri). Da Lucille Sueur bald von einer Theaterkarriere träumte, kehrte sie nach Kansas City zurück und arbeitete dort als Verkäuferin in einem Warenhaus, um ihre Tanzstudien zu finanzieren. Nach einem Streit mit ihrer Mutter verließ sie ihre Heimat und trat in Chicago und Detroit als Sängerin und Tänzerin in Revuen und Cafés auf. Dabei fiel sie dem Produzenten Jacob J. Shubert (1880-1963) auf, der sie an den Brodway in New York holte, wo sie im Chor seiner neuen Revue "Innocent Eyes" mitwirkte. Bei einem Auftritt in dem Stück "The Passing Show of 1924" wurde die 16-jährige Joan Crawford von einem Talentsucher des Filmstudios "Metro-Goldwyn-Mayer" (MGM) entdeckt und für den Film engagiert. Am Neujahrstag 1925 ging sie nach Hollywood, wo sie in "Pretty Ladies" ihre erste Rolle als Statistin spielte. Anfangs verdiente sie bei MGM 75 US-Dollar pro Woche. Joan Crawfords Debüt von 1925 folgten zahlreiche weitere Streifen. Aber der große künstlerische Durchbruch kam erst nach dem Stummfilm "Our Dancing Doughters" (1928), in dem sie gekonnt einen verzweifelten Nervenzusammenbruch mimte. In "Dance, Fools, Dance" (1931) spielte Joan Crawford erstmals an der Seite des Herzensbrechers Clark Gable (1901-1960), mit dem sie hinterher in sieben anderen Filmen auftrat. Danach sah man sie als kokette Stenographin in "Menschen im Hotel" (1932) und in "Die Erpressung" (1941). Während des Zweiten Weltkrieges war sie in sozialen Organisationen tätig und nahm Opernstunden. Mit dem Film "Solange ein Herz schlägt" (1945) gewann Joan Crawford einen "Oscar" als beste Schauspielerin. Es folgten die Streifen "Humoreske" (1946), "Wenn Frauen hassen" (1954), "Was geschah wirklich mit Baby Jane?" (1962) zusammen mit ihrer Intimfeindin Bette Davis (1908-1989), der Horrorfilm "Die Zwangsjacke" (1964) und "Das Ungeheuer" (1970). Ihre Autobiographie "A Portrait of Joan" erschien 1971. Joan Crawfords Ehen mit James Welton, Douglas Fairbanks jun., Franchot Tone und Philip Terry wurden geschieden. Ihr fünfter Ehemann, der Präsident der "Pepsi-Cola"-Gesellschaft, Alfred N. Steel, den sie 1955 heiratete, starb im April 1959. Jahrelang bekleidete auch Joan einen Direktorenposten bei "Pepsi Cola" in New York. Sie adoptierte einen Jungen und drei Mädchen. Fünfter Ehemann wurde Jack Beutel (1915-1989), der eigentlich Buetel hieß, aber weil sein Name immer falsch geschrieben wurde, sich entschloss, die falsche Schreibweise zu übernehmen. Joan Crawford starb am 10. Mai 1977 im Alter von 69 Jahren in New York. Ihre Adoptivtochter Christina Crawford schrieb das autobiographische Buch "Geliebte Rabenmutter", das 1981 mit Fay Dunaway als Joan Crawford von Frank Perry verfilmt wurde. Dieser Streifen mit dem Titel "Mommie Dearest" gibt einen tiefen Einblick in das Leben von Joan.
Ernst Probst / 26. April 2002 Ernst Probst, Im See 11, 55246 Mainz-Kostheim Telefon 06134/21152, Fax 06134/26665, E-Mail verlagernstprobst@web.de | |  | |