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NetSoundArt für Tibeter, Chinesen oder Japaner

Ein dreiteiliges Internetstück in tibetischer, japanischer oder chinesischer Sprache von Wolf Kahlen ist seit kurzem im Netz.

(sreenshot)

Live und interaktiv kann der Besucher der Seite
http://www.tu-berlin.de/~arch_net_art/2.html
je ein Werk der Weltliteratur der drei Länder hören, exemplarisch hier die erste Seite. Vorausgesetzt, er lässt sich zeitlich darauf ein, auf einer völlig leeren Seite, mit der Maus in Bewegung, den Klang der wie auf einer Buchseite liegenden, aber versteckten Wörter abzufahren. Das wird automatisch zu einem Spiel, weil mit jeder Bewegung der Maus ein neues Wort aufklingt. Bis man die Struktur herausgefunden hat, falls man das überhaupt will, haben sich die Wörter längst verschlungen, überlagert, zufällig hören lassen. Wer mit der Maus 'rührt' , produziert ein Konzert der Wörter wie ein DJ. Die präsentierten Weltklassiker sind der grösste Dichter Tibets Milarepa (11./12. Jahrhundert), der chinesische Tang-Dynastie (6.-9. Jhdt.) Poet Li Bo und ein Buchstaben-Gedicht, das in Japan Kukai zugeschrieben wird. Von politischer Delikatesse ist auch der Umstand, dass Wolf Kahlen, der seit 1985 im Himalaya auch Dokumentarfilme dreht, hier Tibet neben China stellt. Vielleicht die erste Internetseite in hörbarer tibetischer Sprache, die von den weltweit verstreuten Tibetern und auch in Lhasa gerne aufgesucht wird. Wer sie anclickt, hat entweder den tibetischen Schriftzug lesen können oder ist aus Neugierde dahin gelangt, denn alle drei Titel sind natürlich nur in Originalschrift zu finden, zur Betonung der Souveränität der verschiedenen drei Kulturen.

(screenshots)


Das Hörerlebnis der drei Stücke mit den grob so übersetzten Titeln :

VERZEIHUNG, MILAREPA / ENTSCHULDIGEN SIE, KUKAI / ICH BITTE UM VERGEBUNG, LI BO

deckt das ganze Spektrum zwischen spielerischem Chaos, eigenen Wortkombinationen und dem Hören eines fliessenden klassischen Textes: Alle demokratischen Möglichkeiten eben, die man mit Wörtern als Material anstellen kann. Ins Netz gestellte manipulierbare Wörter per se.
Und weil sie wohl in den meisten Fällen anders als in der Form der Klassiker zueinanderstossen, entschuldigt sich Wolf Kahlen bei den Autoren schon im Titel dafür. Nebenbei wird das visuell übervolle Netz auf diesen Seiten leergefegt und noch vor die Gutenbergzeit, in die orale Gesellschaft zurückgeführt und sozusagen 'die Buschtrommel geschlagen'. Die drei neuen NetSoundArt-Stücke schliessen an an drei schon seit Anfang des Jahres laufende Arbeiten Wolf Kahlens mit den Titeln

SORRY, MISTER JOYCE / VERZEIHUNG, HERR VON GOETHE / PERDONE DON CERVANTES

in englischer, deutscher und spanischer Sprache
www.tu-berlin.de/~arch_net_art/1.html.
Wolf Kahlen setzt die Serie zur Zeit mit weiteren Sprachen der Welt fort, wobei die Originaltexte immer von Künstlern der jeweiligen Länder gesprochen werden. Sein medienspezifischer Hinweis auf die möglicherweise im Laufe der Globalisierung auch durch das Netz ausgelöste polarisierende Sprachlosigkeit.
Li Bo, gelesen von Zhao Zhao
Kukai, gelesen von Masuko Iso
Milarepa, gelesen von Tsewang Norbu

Joyce, gelesen von David Allen
Goethe, gelesen von Wolf Kahlen
Cervantes, gelesen von Argine Erginas

Mehr zu Wolf Kahlen - siehe: Wolf Kahlen
Stay tuned.
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