PORTRÄTS:
Wolf Kahlen - Selbst-Los
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Selbst-Los
Frei nach Peter P. Kajzar über das Projekt "Selbst-Los" von Wolf Kahlen (übertragen von s.p. - red /
Originaltext siehe unten)
Die Arbeit des Internet-Projektes "Selbst-Los", die anlässlich des 60. Geburtstages von Wolf Kahlen am 7. Januar 2000 entstand,
kann als eines der ersten Internet-Projekte dieser Art betrachtet werden, bei dem jeder Betrachter nicht nur die Arbeit beeinflusst, sondern Besitzer eines einzigartigen Originaldruckes werden kann.
Bei jedem Öffnen der Seite geht dem Selbstporträt von Wolf Kahlen aus dem Jahre 1969 sichtbar und hörbar ein neues Pixel verloren,
so dass jeder Betrachter ein einmaliges Bild erzeugt, das auch gedruckt werden kann.
Das verwendete Selbstporträt des Künstlers Wolf Kahlen mit dem Titel "Selbstversuch II" zeigt den Künstler mit einer vertikalen Linie,
die vom Scheitel über den gesamten Oberkörper führt - "auf der Suche nach der Vertikalen".
Das zweite der insgesamt drei Bilder zeigt ausschließlich das zuvor verloren gegangene Pixel an seinem ursprünglichen Platz.
Auf der dritten Seite werden all die verlorenen Pixel gesammelt - vom jetzigen und allen vorhergehende Betrachtern - und zu einem neuen Bild zusammengefügt, welches sich leicht vom Original unterscheidet.Im Laufe der Zeit wird so nach und nach das erste Bild aufgelöst und durch die zunehmende Verdichtung der Pixel schließlich wieder ein neues generiert- ein Spiel der Atome aus Unbeständigkeit, Vollständigkeit und Einzigartigkeit.
Dieser Prozess ist nicht nur Zerfall, eines sich verlierenden, verschwindenden Selbsts, oder ein ritueller Tod. Es ist auch die Basis der neuen Konstruktion: Auslöschung und Neugeburt.
Die Auflösung eines immer auf sich selbst bezogenen Egos, dass aufgelöst wird durch das Geflecht der Abhängigkeiten und durch eben diese wieder neu entsteht. Die Dominanz des Ichs in Kunst, die Hinterfragung des Egozentrismus und die Unmöglichkeit einer völligen "Selbst-Losigkeit" sind Teil des Spiels.
Und so ist auch die freie Verfügbarkeit dieses Kunstprojektes ein Aspekt des Ganzen. So betont Kahlen selbst in Bezug auf dieses Projekt die Erfahrung, dass niemand auf der Welt weder ihn noch sein Porträt jemals vollständig besitzen könne: durch das Herausnehmen des Ichs parallel zu Verstreuung der Partikel in Zeit und Raum, entsteht virtuell zu eine multidimensionalen Skulptur, ein Vorgang der nicht ohne Selbstironie ist.
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Wolf Kahlen leitet sein Projekt ein:
"Sie können jetzt drei Seiten öffnen, die nur Sie,
niemand anders, so sehen kann. Es ist ein Kunstwerk
aus drei Seiten bestehend, das Sie sich ausdrucken können
für Ihre Sammlung. Kostenlos. Als Geschenk.
Es wird von mir nummeriert und signiert
werden im Augenblick des Entstehens.
Die erste Seite zeigt Mein Selbst/ Mich Selbst in einer
Photoarbeit von 1969. Nur "ein Pixel" fehlt, es verschwindet
im Augenblick ihres Klickens. Sie können das hören und sehen.
Und bei jedem neuen Benutzer der Seite geht ein weiteres
Pixel für immer verloren.
Aber es taucht auf einer zweiten Seite auf, aber nur das eine,
von Ihnen verlorene. Und auf einer dritten Seite sammeln sich alle
bisher verlorenen an ihren Originalpositionen, aber mit einem
neuen Bild, einem leicht veränderten.
Mein Selbst, erst gegangen, kehrt zurück.
Sie können sich eintragen, wenn Sie wollen, in die Liste der
globalen Sammler, damit das Stück im Virtuellen Museum
multidimensional neu zusammengesetzt als Einheit
gedacht werden kann. Sie sind Teilbesitzer... "
Neugierig?
http://www.wolf-kahlen.de
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Peter P. Kajzar: "Selbst-Los/Self-less"
The intermedia pioneer artist Wolf Kahlen offers with these highly innovative, most probably first one-of-a-kind internet art prints ever, an unknown number of collectors worldwidethe chance to acquire as a present a globally distributed original piece,in honor of his 60th birthday on January 7, 2000.
Everyone, who dials his website receives a unique, custom-selected image, in which just one pixel is going lost, visually and audibly, the very moment you open the page.A various, a random one, differing from person to person.
This image may be printed out as the first print, out of a number of three in total. It is a negative self portrait from 1969, showing the artist with a vertical line shaved into the hair of his chest from throat to belly, "In Search of the Vertical", called "Selbstversuch II".
The second page just pictures this single, lost-for-ever pixel, at its original location. A third page at the same time gathers all the lost pixels, yours and of any other userof the homepage, which add up to a new image, which is a slightly different positive selfportrait of the artist.
The process of appearence of this third image may take quite a number of users to become noticeable, since pixels are quite small, and since the given-away pixels may only eventually cluster to visible structures. That's why later joining-in collectors may eventually get only a few left-over spotches as a third, while the earlier ones posess an almost entire picture as the first picture and an"empty" one as the third...
These left overs are democratically created ones, like chance atoms, of impermanence, , of completeness, of a oneness. Watching this process you may consider thisas a decay, as vanishing life, the cutting off of self, in this case Wolf Kahlen's self,or as a ritual death.
A global weathering out on one side and a rebirth on the other side. As we all rub off our shoulders off at matters and at beings we live with, or come into existence by the same instances.
The artist philosophically, and this is actually, what he has been aiming for ever since I know him, demonstrates herethe kicking-out of the ego, and the ego out of art. The given titleSELBST-LOS carries this ambiguity: off with your ego, as an urgeand: beeing without egocentrism already as a state of beeing.The final impossibility of total self-lessness is part of the game too.And actually it is also a non-profit-giving-away of art. Kahlen himself reflects another aspect of it:
"...to experience that nobody in the world posesses me, coming or going, or my portrait in total, the taking myself apart, and that the particels are distributed all over the places in times and spaces and even more dimensions globally,only virtually adding up to a a multidimensional sculpture,makes me, and I hope others, smile..."
This statement and this piece here is remarkable in the context of hisEPHEMERAL PIECES (1992) and pieces on impermanence over the yearsand his early WORKS WITH CHANCE THAT DOES NOT EXIST (1969-1982).A truly extraordinary piece of art.
Take one.
You are very welcome.
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