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PORTRÄTS:
Das Virus

Der vorliegende Beitrag der beiden Kölnern Thomas Görldt (1972) und Christian Parth (1973) ist ein Beispiel für den Bereich interaktiver Computerkunst. Die Arbeit mit dem Titel "Das Virus" war Teil eines Internet-Literatur-Wettbewerbes organisiert von IBM, Pegasus und der Zeit.

Der Beitrag befaßt sich auf drei Ebenen mit dem Gedanken des Virus.

Auf der narrativen Ebene wird die zunehmende soziale Desintegration und Kommunikationslosigkeit von Jonas geschildert, dessen letzter Anker die virtuelle und sinnlose Beziehung zu Sonja ist. Sein zunehmender Realitätsverlust wird in Form eines Virus dargestellt, der nicht nur sein Gehirn, durch dessen Strukturen der Betrachter geführt wird, sondern ebenso seinen Computer, seinen einzigen Kontakt zu Außenwelt, befällt. Die wachsende Isolation führt zu einer bedrückenden Selbsterkenntnis, an deren Ende die Kapitulation und der völlige Befall durch den Virus steht.

Auf visueller Ebene wird die Geschichte durch eine schnittweise Aufblätterung des Gehirns dargestellt, die schließlich eine voyeuristische Tiefenschau in die Empfindungswelt Jonas erlaubt. Der Betrachter befindet sich auf dem Desktop von Jonas. Dieser erscheint aus dem Dunkeln - ein wie durch Platinen aufgebrochenes Gesicht. Neben ihm befinden sich die Schichten bestimmter Gehirnteile, die eine spezifische Funktion für unser Denken und Empfinden erfüllen. Durch das Anklicken dieser Bereiche, schlüsselt sich nach und nach die Geschichte auf.

Auf informationstechnischen Ebene arbeitet der Beitrag nicht nur mit dem Einblenden von Textstellen, sonder auch mit sich selbst initiierenden Scripten, die inhaltlich ihr Pendant in einer Reduktion der Gefühlswelt Jonas auf die beiden Zahlen 0 und 1 finden. Ebenso wird der Betrachter angehalten sich auf das Medium des Computers einzustellen, indem er schon zu Beginn entsprechende Usernamen und Paßwörter angeben muß (es gilt dabei auf Groß- und Kleinschreibung zu achten!).

Am Ende bricht das System zusammen - nicht nur Jonas System, sondern auch das des Betrachters, indem der Browser vom Programm abgeschlossen wird - der virtuelle Virus greift auf uns über. Es ist daher darauf aufmerksam zu machen, dass der Beitrag mit dem Schließen des Browsers endet, nachdem einige Viruswarnungen erschienen sind. Die implementierten Java-Scripts sind allerdings für Netscape-Browser optimiert, mit den Microsoft-Explorer läuft das Programm leider nicht ideal.

Viel Spaß mit "Dem Virus" und nicht erschrecken!
s.p. - red


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