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Pop on Stage – elektronische Helden und unbekannte Künstler

Vom unvermeidlichen Disaster der elektronischen Kunst

(Gesprächsrunde am 11.10.03 im Filmhaus, Stuttgart. Veranstalter: Wand5 e.V. – Media Space 03)


Moderation:
Manfred Heinfeldner (Stuttgart, TV Journalist)

Teilnehmer:
Christoph Winkler (Berlin, Klangkrieg)
Markus Kritzokat (Karlsruhe, ZKM)
Acid Maria (Karlsruhe, DJ)
Domenico Sciajno (Palermo, IXEM)
Jim Avignon (Berlin, Musiker und Maler)
Brezel Göring (Berlin, Stereo Total)


Es scheint eine neue Tugend zu sein, über Dinge zu reden, ohne auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Hauptthema der Diskussion sollte es sein, in Erfahrung zu bringen, inwiefern es möglich ist, unbekannte Künstler aus der Anonymität stärker hinein ins öffentliche Bewusstsein zu bringen und was es mit der Musik und der Kunst auf sich hat.

Auftakt der Gesprächsrunde war ein Video der weltberühmten Kultband Kraftwerk: Roboter. Es wurde von den Teilnehmern verschiedene Herangehensweisen erläutert.

Markus Kritzokat stellte das ZKM mit den elektronischen Veranstaltungen vor, und welche Hürden es zu überwinden gilt, wenn man unbekannte Künstler zur Performance einlädt. Weiterhin geht es natürlich auch im ZKM um die Frage, wie viel Künstler man sich noch leisten kann, z.B. ein Herr Stockhausen lockt als weltweit bekanntes musikalisches Medium die Massen nach Karlsruhe, ist jedoch als Engagement grandios teuer und muss mit dem Budget übereinstimmen.

Die bekannte DJ Artistin Acid Maria erklärte, in welchem Masse der DJ zu einem Instrument seiner Technik geworden ist, wie in manchen Situationen dieser Job praktisch unnütz, aber auch, wie schwer es für ihn ist, eine gewisse Atmosphäre mit den Platten rüberzubringen, da es emotionell gesehen mehr Distanz als ein Konzert bietet.

Domenico Sciajno, der Mitbegründer des elektronischen Netzwerks IXEM, lauschte spannend der Diskussion und stellte anschaulich dar, wie es für ihn notwendig ist, Kunst und Musik in einen Kontext zu bringen, ja der Raum, in dem sich Musik bewegt, kann mit elektronischer Kunst ausgefüllt werden. Als Akademiker in seiner Sparte zeigte er auch, wie schwer es heutzutage selbst für studierte Musiker geworden ist, sich Gehör in der Öffentlichkeit zu verschaffen, da praktisch jeder Musik machen kann.

Der Rest der Teilnehmer hielt sich bis auf ein paar Äußerungen stoisch vornehm zurück.

Die Zuhörer der Diskussion bewiesen sehr kritisches und teilweise fachkenntliches Urteilsvermögen. Doch in dem gesamten Gespräch wurde eins vermisst: kreativer Inhalt.
Durch diese gegensätzlichen Parteien konnte auch sehr angespannt darüber geredet werden, wie die Musikbranche heute nur noch darauf schielt, schnellstmöglich mit irgendwelchen angebliches Stars und Musik aus der Retorte viel Geld zu machen. Musik und Kunst sind zur puren Geldmaschinerie entartet. So wie es im elektronischen Bereich mit immer besseren und einfacheren Programmen möglich ist, eine gute Performance mit ein paar Klicks auf der Tastatur zu bewältigen, so scheint es auch mit der elektronischen Kunst der Undergroundszene nicht mehr weit vom Massentourismus entfernt zu sein.

Und auch wenn man – wie IXEM – ein Netzwerk erschafft und es dann nach langem Überlegen nicht experimentelle, auch nicht elektronische, sondern wohlüberlegt experimentelle elektronische Kunst nennt, ist das ein Anzeichen von nicht gerade kreativem Neuland.

Musik und Kunst geht ihrem Dilemma entgegen: Die Technik nimmt die Arbeit der Denker ab und enthüllt puren Stumpfsinn. Und das wissen auch die Medienmacher. So wird mit allen Mitteln versucht, an alten Denkmustern festzuhalten.

Diese elektronischen Ausdrucksweisen stellen aber auch eine Chance zu neuer Kreativität dar. In einer Welt, in der Informationen für jeden frei zugänglich geworden sind, ist es nur ein Frage der Zeit, bis sich kommerzielles Gehabe auf diese Art von selbst erledigt.

s.w. - red / 14. Oktober 03
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